RTL RADIO Luxemburg
Fanpage
Themen-Special
der Redaktion RADIOJournal
Senderhistory - Hörergeschichten -
Dokumentationen - Interviews
halloRTL Radioclub aus Luxemburg - Clubjournale 1989
halloRTL Heft 1-1989
>>>
Publikumsliebling Tommi Ohrner
hat den RTL Hörfunk zwar vor einiger Zeit verlassen, was aber noch
lange nicht heißt, dass er RTL endgültig den Rücken gekehrt hat.
Voraussichtlich ab Anfang Februar wird der fesche Münchner
regelmäßig bei RTLplus zu sehen sein. Und dies nicht allein:
Zusammen mit Isolde Tarrach wird Tommy durch eine aufwändige Show
rund um Kino und Musik führen. Die wohl teuerste Eigenproduktion der
RTL-Fernsehmacher soll es werden, wie aus Köln zu hören ist.
>>> RTL Hörfunk und RTLplus haben
einen Service eingerichtet, der Zuschauer- und Hörerfragen
beantwortet. Beim RTL Hörfunk hat Rosi Holbe immer die
passende Auskunft parat. >>>
Eine überdimensionale Geburtstagstorte wurde im Luxemburger Schloss
Vianden serviert. Das RTL-Funkhaus "Villa Louvigny" war der
Anlass zu derart pompöser Schlemmerei: Seit 50 Jahren werden
von hier RTL-Programme in alle Welt versendet. Freilich platzte das
Gemäuer im Lauf der Jahre aus allen Nähten. Diverse Abteilungen
mussten in mehrere Gebäude ausgelagert werden. Doch damit hat's nun
bald ein Ende. Denn mit dem Geburtstag der Villa Louvigny wurde
gleichermaßen der erste Spatenstich für ein neues Sendezentrum
begossen, das in zwei Jahren bezugsfertig sein soll. Hier werden
sämtliche Programme und Abteilungen von RTL untergebracht sein.
>>> Wieder einen "Musikexpress"
geschafft. Zum ersten Mal begleitete ein Programmdirektor den
Musikexpress: Hubert Terheggen. Außerdem dabei: Kristina Hertel,
Honey Bee Benson, Jochen Pützenbacher, Rolf Röpke und der Nachwuchs
im Sprecherteam: Stephan Offierowski, Inez Lang, Doris Soler. Iff
Bennett stellte dem Publikum das Team vor. Und warum war Biggi
Lechtermann nicht dabei? Sie zeichnete just an jenem Wochenende im
RTL Studiocafé die Weihnachtssendung "Biggi und ihre Christkinder"
auf. Mit einem Quiz rund um die Weihnachtsgeschichte und
Christfestbräuche erleichterten sich die Kinder das Warten auf den
Weihnachtsmann. >>> Hörer
Peter fragt Jörg Ebner: Wie lange bist du eigentlich schon bei
Radio Luxemburg? "Seit dem 15. Juli 1963. Ich bewarb mich und hatte
Glück. Unter 26 Mitbewerbern wurde ich ausgewählt." Stell dir vor,
das Fernsehen böte dir eine große Show an - würdest du zugreifen? -
"Nein! Weil ich mit Leib und Seele Radiomann bin. Und man muss sich
einfach für eines entscheiden - Radio oder Fernsehen." Es gibt aber
doch 'ne Menge Kollegen, die beides machen... - "Ja, aber da ist man
wie ein Jongleur auf dem Seil - es ist wahnsinnig schwierig, zehn
Bälle auf einmal in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen und
gleichzeitig einen Seiltanz aufzuführen. Das liegt mir nicht. Ich
mach' lieber eins, und das richtig - und das ist Radio!" Besitzt du
privat viele Schallplatten? Und welche Musikrichtung
bevorzugst du? - "Ich habe in meinem Archiv zu Hause etwa fünf
Tonnen Schallplatten. Ich mag jede gute Musik. Und Musikrichtungen
ändern sich ja ständig. Deshalb kann ich mich da nicht festlegen."
Wie kamst du zu dem Titel 'Musikprofessor'? - "Den hat mir schon in
meinen Anfangsjahren bei RTL das Sprecherteam verliehen - ganz
einfach, weil ich die Hitparaden aus England, Amerika, Frankreich
und natürlich aus Deutschland analysiert habe. Ich ließ mir immer
die Platten kommen, lange bevor sie offiziell auf dem Markt waren.
Daraus konnte ich wie beim Aktiengeschäft Trends ablesen. Das bot
mir auch jede Menge Stoff für die Musikkolumnen, die ich über Jahre
für mehrere Zeitungen und Zeitschriften geschrieben habe." Könntest
du dir vorstellen, auch mal eine politische oder eine Sportsendung
zu moderieren? - "Ja, warum nicht! In meiner Laufbahn als Moderator
und Programmgestalter habe ich bislang schon fast alles gemacht." -
Was hälst du als alter Radiohase davon, dass seit ein paar Jahren
die privaten Rundfunkanbieter wie Pilze aus dem Boden schießen? -
"Konkurrenz belebt das Geschäft - das gilt für einen Colahersteller
ebenso wie für Rundfunksender. Aber viele Privatradios haben ganz
falsche Vorstellungen. Wenn man die gesamte Hörerschaft als einen
Kuchen betrachtet, dann schneidet sich jede Radiostation ein Stück
davon ab. Leider haben viele die Illusion, Hörer anzusprechen, wo
gar keine mehr sind, weil andere Sender sich den Kuchen schon
weggeschnappt haben. Dasselbe gilt für den Werbekuchen: Das Stück
für den einzelnen Sender wird immer kleiner. Deswegen haben auf die
Dauer nur wenige private Anbieter eine Chance."
>>> Drei Generationen, wenn man
so will, schmeißen zusammen das neue RTLplus-Frühstücksfernsehen:
"RTL-Erfinder" und Altmeister Camillo Felgen als Gärtner, Rainer
Holbe als Moderator, und Nic Jakob, der Jüngste im Triumvirat, ist
der Chef von allen. So einiges brodelt in der Frühstücksküche der
Programmplaner. Camillo Felgen (67), der Grandseigneur von RTL,
versendet zweimal die Woche Wissenswertes rund um den Garten - Tipps
zu Anbau und Pflege für alles, was grünt und blüht. Nebenbei ist er
zu Gast in prominenten Gärten, auf der Bundesgartenschau
beispielsweise.
halloRTL Heft 2-1989
>>> Das Jahr
1989 begann für Radio Luxemburg mit einer traurigen Nachricht: Am
Neujahrstag verstarb Manfred Seichter, Leiter des RTL-Studios
Düsseldorf. Seichter war Journalistenprofi. Zunächst Schriftleiter
bei einem Zeitschriftenverlag in seiner Geburtsstadt Leipzig, war er
nach dem Krieg als freier Mitarbeiter der "Westfälischen
Nachrichten" in Münster tätig. Ab März 1948 arbeitete er als
Referent der Landespressestelle für die Regierung von
Nordrhein-Westfalen und hielt die Verbindung zwischen Staat und
Presse. 1960 kam er als Pressereferent ins NRW-Innenministerium.
1979 holte Frank Elstner den Ministerialrat zu RTL. Manfred Seichter
war zunächst als Berater der Programmdirektion, später als
Studioleiter tätig. >>> Die
ersten Minuten ihrer ersten Radiosendung. Kribbeln im Bauch.
Gänsehaut! Von Anfang an will Inez Lang alles perfekt machen.
Und weiß doch, dass sie da von sich selbst reichlich viel verlangt.
Also entschuldigt sie sich besser gleich bei den Hörern - mit ihrem
charmantesten Lächeln in der Stimme. Inez Lang ist eines von drei
knackigen Mädels, die im Herbst vergangenen Jahres den Sprung ins
kalte Wasser wagten und bei Radio Luxemburg ihre Moderatorenkarriere
starteten. Doris Soler, Isabel Varell und eben Inez
Lang - keine der drei hatte jemals zuvor auch nur eine einzige
Radiomoderation gemacht. Aber einmal ist eben immer das erste Mal.
Und wenn man Glück hatte, fand dieses erste Mal bei RTL statt. Inez
Lang moderiert dienstags und freitags von 19 bis 22 Uhr die neue
RTL-Sendung »19/24«. Der Titel ist eindeutig zweideutig. Zum einen
ist »19/24« ein junges, freches, informatives, knackiges Magazin,
das in der Hauptsache 19- bis 24-jährige Hörer bedienen will; zum
anderen soll die Sendung nach einem späteren Ausbau von 19 bis 24
Uhr dauern. Und wenn Inez Lang am Mikrofon sitzt, gibt's Klatsch und
News aus Hollywood und aus der Musikszene, LP-Charts,
Neuerscheinungen auf dem Plattenmarkt, Neues auf der Kinoleinwand.
Außerdem in »19/24« ein Forum mit aufschlussreichen Studiogästen,
mit Leuten, die gerade im Gespräch sind. Auch Doris Soler ist in
jeder Sendung »19/24« - jeweils montags und donnerstags zu hören.
Mit garantiert knitterfreier Stimme versendet sie die aktuellen
Single-Charts, ein Büchermagazin, Quizspiele und eine "Pinwand" mit
den kuriosesten Meldungen der Woche. Radiomoderatorin hat sie schon
immer werden wollen, bekennt die neue RTLerin. "Mit hat seit jeher
gefallen, wie die Leute im Radio und im Fernsehen bei den
Nachrichten reden; ich dachte immer: Das musst du auch können! Den
Einstieg bei Radio Luxemburg schaffte die 22-Jährige über einen
Talentwettbewerb, den RTL zusammen mit HörZu ausgeschrieben hatte.
Doris schickte eine Kassette ein, auf der sie fünf Minuten lang so
tat, als moderiere sie eine Kinosendung. Es klappte. Einladung ins
Düsseldorfer RTL-Studio zum eingehenden Sprechertest: Ein Märchen
erzählen, Spontaninterview mit Tommi Ohrner, einen Witz erzählen,
einen Nachruf auf Hans Rosenthal und einen Zeitungsartikel vorlesen,
die politischen Ereignisse der Woche zusammenfassen. Auch Isabel
Varell wagte im vergangenen Jahr den Sprung in kalte Radiofluten.
Zwar ist sie seit Jahren Bühnenprofi, aber Moderation im Radio? Und
dann gleich beim ersten Mal live vor Publikum - im mittäglichen
Städtequiz »Is ja 'n Ding«. Wacker steht sie ihre Frau und erträgt
Hugo Egon Balder als Co-Moderator. Für Isabel ist RTL nur ein
Nebenjob. Denn hauptsächlich ist sie Sängerin. Die Türen in dieses
Gewerbe öffnete ihr auch Radio Luxemburg. Das war 1979. Isabell
Varell belegte bei einem RTL-Talentwettbewerb den 1. Platz. Und Jack
White saß in der Jury und entdeckte die Frau mit der
außergewöhnlichen Stimme, die man hört und nie mehr vergisst. Fünf
Jahre lang arbeitete sie mit diesem Weltformat-Produzenten, bevor
sie Plattenfirma und Management wechselte.
>>> Längst ist es alles andere als ein Geheimtipp: Dass
Helga Guittons RTL-Sendung »Viva - Das Leben findet täglich
statt« täglich zu einer Talkshow via Radio gedeiht. Tag für Tag,
Sendung für Sendung hat Helga illustre Talk-Gäste am Telefon.
halloRTL Heft 3-1989
>>> Die
Goldene Kamera aus der Hand von Walter Scheel: Und die Bibel hat
doch recht! "Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt",
steht dort nunmehr seit Jahrtausenden zu lesen. Auch aufs Fernsehen
trifft das zu. Zu den Auserwählten darf sich nun auch "Ihr stets
sehr ergebener" Geert Müller-Gerbes zählen. Von dessen
Qualitäten als Gastgeber der RTLplus-Talkshow »Die Woche« war die
HörZu-Jury überaus angetan. Jan Hofer, der zusammen mit Sabine Sauer
durch den Abend führte, verlas die Lobeshymne: "Intimkenner der
Bonner Szene, wortgewandter Plauderer, Vollblutjournalist. Ein
feinsinniger Talkmaster, bei dem sich Gäste wie Zuschauer
gleichermaßen wohl fühlen. Er geht die Sache leicht und nicht seicht
an, er fragt präzise, manchmal auch hartnäckig, aber nie unfair. Es
geht ihm darum, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, aber
nicht gegeneinander auszuspielen." Von 1969 bis 1974 war Geert
Müller-Gerbes Pressereferent des verstorbenen Bundespräsidenten
Gustav Heinemann. Darum - und das war die Überraschung des Abends -
erhielt er die Goldene Kamera aus der Hand von Heinemanns
Nachfolger, Walter Scheel. Auch der war voll des Lobes für den
ausgezeichneten Talkmaster: "Geert Müller-Gerbes nimmt den Menschen
die Scheu, die Hemmungen - dadurch, dass er sie direkt angeht und
nie den Eindruck macht, er wolle etwas von ihnen - zumindest nichts
Böses, und dadurch, dass er gleich zu Beginn mit einem Scherz alles
von den Befragten nimmt, was sie daran hindern könnte, alles zu
sagen, was Müller-Gerbes wissen will, was sie selber aber vorher zu
sagen auf jeden Fall zu vermeiden trachteten. Das ist das Geheimnis
einer guten Sendung zwischen Information und Unterhaltung." GMG, so
Müller-Gerbes' RTL-interne Abkürzung, erwiderte sichtlich gerührt:
"Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ausgerechnet Sie mir
diese Goldene Kamera überreichen. Als ich hörte, dass ich sie
bekomme, dachte ich, man hätte mich vielleicht mit jemandem
verwechselt - mit jemand Würdigerem, zum Beispiel wie Ihnen, der Sie
ja auch talkshowmäßige Erfahrungen gemacht haben." Schallendes
Gelächter im Publikum. Geert Müller-Gerbes gab das Lob der
HörZu-Jury weiter an die Redakteurin der RTLplus-Talkshow, Claudia
Tebel: "Ohne sie ginge nichts! Und es ist schon sehr viel, was mit
ihr geht." >>> RTL Hörfunk
nahm Kurs auf die "boot '89": Zur Jubiläums-"boot" (es war die
20.) hatte Radio Luxemburg standesgemäß ein Jubiläumsprogramm auf
die Bühne gestellt und zahlreiche Moderatoren auf dem Landweg zur
Schiffsmesse geschickt. Geert Müller-Gerbes, Ulrike Elfes und
Benno Weber, Günter Meyer, Biggi Lechtermann und Hugo Egon
Balder, Isabell Varell und Achim Graul. Letzterer
versendete in seiner "Entenjagd" täglich wahre und unwahre
Geschichten rund um Messeneuheiten und den Wassersport. Insgesamt 31
Stunden Live-Hörfunkprogramm sendeten die Luxemburger Radio-Kapitäne
aus der Aktionshalle 11 des Düsseldorfer Messegeländes - mit vielen
Informationen und Interviews rund um die "boot", jede Menge toller
Preise und natürlich mit viel Live-Musik. Erstmals präsentierte sich
Radio Luxemburg zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft "Foto '89".
Mithin wurde das Programm noch attraktiver. Zwischen den
RTL-Sendungen verloste Isabell Varell Fotoausrüstungen unter den
Besuchern und präsentierte Tanzeinlagen, Musicalacts und
Modenschauen. Mit "Don't Worry, Be Happy" war Hugo Egon Balder mal
nicht als Moderator, sondern als Interpret gefragt bei »Wünsch dir
was«. >>> Hörer Heinz-Bernd
fragt Inez Lang: Wie bist du eigentlich dazu gekommen, bei RTL
anzufangen? - "Ich hatte Gelegenheit, ein Interview mit Terry Garber
vorzubereiten und dabei als Übersetzerin zu fungieren. Da habe ich
gemerkt, wieviel Spaß mir der Journalismus, das Neugierigsein macht.
Und da ich nirgends so gerne wie bei RTL damit hätte anfangen
wollen, rief ich einfach ganz frech dort an und hatte das Glück,
dass Jochen Pützenbacher nicht nur mit mir gesprochen hat, sondern
auch noch meinte, ich hätte eine gute Mikrofonstimme." Was gefällt
dir bei RTL besonders gut? - "Das man frei und selbständig arbeiten
kann. Natürlich darf man nicht jeden Quatsch auf die Antenne
bringen. Aber es gibt keine einengenden Zwänge. Dafür ist RTL zu
menschlich und das Verhältnis untereinander zu gut und locker."
Hättest du auch Lust, beim Fernsehen zu arbeiten? - "Also ich mache
wahnsinnig gerne Radio - nicht nur, weil ich da relativ selbständig
in Bezug auf die Gestaltung der Sendung bin, sondern weil da auch
viel Phantasie mit ins Spiel kommt. Wenn ich im Studio sitze,
überlege ich mir, wo mir in dem Moment vielleicht jemand zuhört.
Brütet da noch einer über seinen Hausaufgaben? Oder sitzen ein paar
Hörer gemütlich irgendwo zusammen? Hängt da jemand mit den Ohren am
Autoradio? Mit diesen Bildern im Kopf versuche ich jeweils eine
Stimmung für mich herzustellen, die ich dann auch rüberbringen
möchte. Ich glaube nicht, dass sowas im Fernsehen geht. Jedenfalls
hatte ich nicht den Eindruck, als ich bei vielen
Fernsehaufzeichnungen hinter den Kulissen und auch vor der Kamera
dabei war. Aber als viel interessierter und aufgeschlossener Mensch,
der ich nun mal bin, möchte ich es schon gerne mal probieren." Dein
größter Wunsch? - "Ein Interview mit Michael Jackson."
halloRTL Heft 4-1989
>>> RTL
Hörfunk im Kabel: In den Köpfen der Hannoveraner geisterten im
letzten Monat vorwiegend zwei Themen umher: Zum einen Computer, denn
die CeBit war mal wieder angesagt, und zum anderen Radio Luxemburg.
Denn seit Anfang März ist RTL Hörfunk in Hannover via Kabel zu
empfangen. Stecker in die Buchse, und schon kommt auch in Hannover
die Sonne aus dem Radio. RTL nahm die Premiere zum Anlass, sich auf
der CeBit mit einer Radio-Talkshow zu präsentieren. Talkmaster war
natürlich Geert Müller-Gerbes. >>>
Grand Prix der Volksmusik: Edy Hildebrandt ist ein
gefragter Volksmusik-Experte. Und das nicht nur bei Radio Luxemburg.
Kürzlich war er einer von sechs Juroren, die die Titelauswahl für
den Grand Prix der Volksmusik treffen sollten. Sage und schreibe 600
neue Lieder standen zur Auswahl. Eine geschlagene Woche brauchte die
Jury, um sich das alles gewissenhaft anzuhören und zu beurteilen. 15
Titel kamen letztlich in die engere Wahl. Fünf davon werden die
Bundesrepublik bei der Eurovisionssendung aus Linz repräsentieren.
>>> Seit RTL aus Luxemburg
konzessioniert und zollfrei den Rest der Welt beschallt, sind die
großherzoglichen Privatfunker Trendsetter. Vor allem in Sachen
Musik. Radio Luxemburg serviert die Hits,
bevor's die anderen merken, und spielt die heißesten Nummern seit
der Erfindung des Plattenspielers. Titel, die um den Globus ziehen,
Musik für mindestens vier Kilo Gänsehaut, Lieder, die sich sanft ins
Gemüt schmeicheln dudelt RTL, seinen Hörern zärtlich ins Ohr. Ein
Titel aber - der war ja wohl der größte Knall im All: "Heidi",
künstlerisch wertvoll dargeboten von Cornelia Effling. Es
begab sich eines Morgens zu nachschlafender Zeit, dass Rolf Röpke
seine Hörer aufforderte, doch mal im Gerümpelkeller nachzuschauen,
ob sich da vielleicht noch ein Waschbrett aus alten Zeiten fände. Es
ging darum, via Telefon live übern Sender ein Lied eigener Wahl
vorzutragen und sich dabei mittels Waschbrett und Fingerhut
eigenhändig zu begleiten. Freilich sollte die Mühe nicht vergebens
sein: Der erste Anrufer, der solchen Kunstgenuss zu bieten in der
Lage sei, verkündete Rolf, bekomme wahlweise ein Kilo Schmierseife
oder einen Sack Sülze. Nun denn, als erste hatte Cornelia Effling
aus Wellen Erfolg beim emsigen Wühlen im Keller: Ein echtes
Waschbrett mit einem echten Holzwurm drin förderte sie zutage. Und
dann zog sie live über sämtliche Antennen von Radio Luxemburg alle
Register ihrer Musikalität: "Heidi" trällerte Cornelia fröhlich ins
morgendliche Radioland hinaus. >>>
Nun hat bei Radio Luxemburg vor ein paar Wochen einer angefangen,
der ist 21 und hat sage und schreibe schon stattliche sieben Jahre
Radioerfahrung. Das bedeutet, dass er schon im knackigen Teeny-Alter
von 14 Jahren hinterm Mikrofon saß. Patrick Lynen heißt der
junge Mann, der jeweils mittwochs abends das RTL-Radioland beglückt
und samstags schon um 5.30 Uhr »Guten Morgen« wünscht. Patrick, Typ
Lausbub mit Sonne in der Stimme, ist in der
beneidenswerten Situation, dass er sein Hobby zum Beruf machen
konnte. "Seit je her war ich besessen vom Medium Radio - allein
schon vom Hören her." Daraus resultierte alsbald auch eine Mitarbeit
- zunächst bei kleinen Privatsendern in Ost-Belgien, die in
deutscher Sprache senden. Die hatten Moderatoren gesucht für
Jugendsendungen, Patrick griff die Gelegenheit beim Schopf und
machte hobbymäßig Radio. Allerdings ein teures Hobby. Lange Zeit hat
Patrick da mehr Geld reingesteckt, als für ihn raussprang. Ewig die
Fahrtkosten von Deutschland nach Belgien. Und dann sein Tick, tolle
Platten spielen zu wollen, die die Sender gar nicht hatten. Mithin
kaufte er die Scheiben kurzerhand selbst. Und das ging auf Dauer
ganz schön auf die eigene Tasche.
>>> Viktor
Worms, heute Unterhaltungschef bei
einem Münchner Privatradio, begann seine Karriere vor Jahren bei
Radio Luxemburg. Torsten Schuster hat den Radio-aktiven Lausbub
interviewt. Wie kamst du eigentlich damals zu RTL? - "Durch Frank
Elstner. Journalismus und Funk haben mich immer gereizt. Ich hatte
gerade Abitur gemacht, in München einen Studienplatz für Politologie
und Zeitungswissenschaften gefunden und noch drei Monate Zeit, bis
es losging. Und da schrieb ich an RTL, an Frank Elstner persönlich,
ich würde ganz gerne Aschenbecher in der Redaktion ausleeren und
einfach zugucken, wie Radio funktioniert. Ich versprach auch,
bestimmt nicht zu stören. Das war mein erster Kontakt zu Radio
Luxemburg. Wenig später wurde ich zu einer Sprechprobe eingeladen.
Danach habe ich meinen Studienplatz erst mal zurückgestellt, weil
Frank wollte, dass ich als Radio-Discjockey bei RTL anfange. Das
genügte mir allerdings nicht; ich wollte eine richtige
journalistische Ausbildung. Und so war ich bei RTL der erste
Volontär. Das war toll. Die Redaktion bestand damals aus, glaube
ich, 15 Mann, die nur einen einzigen Volontär hatten und sich fast
darum prügelten, dem was beizubringen. Ich hatte überhaupt das große
Glück, bei RTL 'ne Menge Leute zu treffen, bei denen man viel lernen
konnte - sowohl was Redaktion als auch Moderation anbelangt. Namen
wie Frank Elstner, Reinhard Münchenhagen, Thomas Gottschalk fallen
mir da ein. Ich denke sehr gerne an die Zeit zurück. Und auch heute
arbeiten bei RTL sehr, sehr viele gute Leute." Mit welchen Sendungen
hast du damals angefangen? - "Die erste war eine Nachtsendung.
»Hallo, Nachtarbeiter«, Spielwiese für jeden neuen Moderator. Später
waren es die »Hits von der Schulbank« - die hatte vorher Desirée
Nosbusch gemacht; dann waren es »Die großen Acht«, eine Hitparade,
die eine richtige Traditionssendung war. Später bin ich dann ins
Düsseldorfer Studio gewechselt als Redakteur von Thomas Gottschalk,
der »Mister Morning« moderierte. Parallel dazu hab' ich noch »Take
Five« gemacht, eine Magazinsendung am Abend, zusammen mit Benno
Weber, ohne den ich das nie gepackt hätte. Durch dessen gute
Kontakte zu Journalisten hatten wir immer tolle Geschichten, die
erst am nächsten Tag in den Zeitungen standen. Ansonsten habe ich da
alles selber gemacht: Redaktion, Musik aussuchen, Moderation. Das
lief gut ein Jahr. Dann haben sie mir »Guten Morgen, Deutschland«
angeboten. Hinzu kam noch, dass ich die Möglichkeit hatte, ins
Fernsehen reinzuschnuppern, und so bin ich dann nach Luxemburg
zurückgegangen." Fernsehmäßig hat sich bei dir dann ja einiges
entwickelt. Trotzdem bist du nach eigenen Angaben eher ein
Radiomann. Warum? - "Radio ist viel spontaner. Und mir fällt es
unheimlich leicht, obwohl es eigentlich schwieriger ist als
Fernsehen: Du musst allein mit deiner Stimme, ohne Gestik und Mimik,
Gefühle vermitteln, musst Sachverhalte mit relativ kleinen Mitteln
rüberbringen. Und dann finde ich das Tolle an meinem Funkjob, dass
ich jeden Tag auf der Antenne bin. Da weiß ich genau, ich
gehe mindestens einmal pro Woche aus der Sendung und sage: Ne, heute
war ich nicht gut. Zweimal gehe ich aus der Sendung und sage: Ja,
war toll. Hast ein gutes Interview gemacht, hast gute Themen und
gute Leute gehabt, warst gut drauf. Und zweimal gehe ich aus dem
Studio und sage: Na ja, war ganz okay.
Verstehst du, wenn ich heute merke, dass ich 'ne schlechte Sendung
mache, weil ich nicht drauf bin, weil die Themen vielleicht schlecht
sind, weil die Musik nicht so richtig passt - dann weiß ich genau:
Ich mache am nächsten Tag 'ne gute Sendung. Immer! Weil ich dann mit
dem Vorsatz ins Studio gehe: Heute zeig' ich's den Leuten wieder.
Das andere Extrem ist: Wenn ich einmal im Monat die
Fernseh-Hitparade habe, und mein schlechter Tag fällt genau
auf dieses Datum - dann laufe ich einen ganzen Monat damit rum und
kann's auch noch in der Zeitung lesen. Erschwerend kommt hinzu, dass
die Leute eine ganz andere Erwartungshaltung haben. Die setzen sich
vor die Glotze und sagen: Soll der Worms mal machen. Und das erzeugt
unheimlich viel Druck, der dir Spontanität nimmt. Das fällt im Radio
weg, weil die Leute dich viel selbstverständlicher nehmen. Da hört
man eher beiläufig zu. Du kannst ganz spontan eine böse, bissige
Bemerkung machen; die Leute werden darüber lachen und es im nächsten
Moment wieder vergessen haben. Fernsehzuschauer sind da viel
nachtragender." Warum machst du dann überhaupt Fernsehen? - "Weil es
trotz allem sehr viel Spaß macht. Und ich kann mich mittlerweile
auch ganz gut von dem Druck befreien. Nur: Ich finde es absolut
lächerlich, wie ernst es von den Zuschauern genommen wird. Dass da
manchmal das Wohl und Wehe der Nation vom Fernsehen abhängt, ist
wirklich atemberaubend. Und das ist beim Funk eben
nicht so. Da sehen es die Leute viel
legerer. Und du kannst durch deine ständige Präsenz eine viel engere
Bindung zum Publikum aufbauen. Außerdem hat der Funk noch einen
großen Vorteil: Als Radiomann bis du einfach unbeobachteter." Du
meinst, du kannst in der Nase bohren, während du eine Platte
ansagst? - "Ja, aber vor allem außerhalb des Studios:
Du gehst raus, und keiner kennt dein Gesicht.
Seit ich Fernsehen mache, bin ich viel gehemmter, wenn ich mal in
eine Kneipe gehe. Weil ich weiß, da gucken die Leute gleich: 'Ach,
schau mal, den kennen wir doch aus dem Fernsehen'." Was macht denn,
von deiner heutigen Warte aus gesehen, den Charme von Radio
Luxemburg aus? - "Die Einmaligkeit! Wenn ich mich so zurückerinnere:
Als Schüler haben wir das Kofferradio aus dem Fenster gehängt, um
auf Mittelwelle RTL zu hören. Bei den ARD-Sendern hieß es immer:
'Guten Abend. Hier ist der XYZ mit seinem Zweiten Programm. Sie
hören jetzt...' Und bei RTL kam immer die Sonne aus dem Radio:
'Hallo! Schaut her, Leute! Wir spielen jetzt für Euch...' Da war
einfach alles viel lebendiger. Heute hat sich die Situation insofern
gewandelt, dass sie eigentlich alle, ob privat oder
öffentlich-rechtlich, lebendigen, populären Funk machen.
Deswegen muss RTL konsequent seiner Linie treu
bleiben, jeden Tag Menschennähe beweisen, um so die Nase immer um
ein paar gute Ideen weiter vorn zu behalten. Auch wenn ich nun schon
seit ein paar Jahren nicht mehr dabei bin: Ich liebe RTL nach wie
vor sehr! Ich bin zum Beispiel ein wahnsinniger Fan von Helga. Sie
hat eine herausragende Stimme, sie ist ein Typ - einfach toll!" Bleibt
die Frage, warum du dann überhaupt weggegangen bist? - "Weil ich
mich damals wie heute in einer Phase befand, in der mich ständig was
Neues reizt. Eigentlich wäre ich schon gerne in Luxemburg geblieben,
weil ich ja bei RTL auch meine heutige Frau Astrid kennengelernt
habe. Aber dann kam das Angebot vom ZDF, und zudem hatte ich die
Möglichkeit, in die Firma von Frank Elstner einzusteigen und
Fernsehredaktion zu machen. Der endgültige Entschluss wieder nach
Deutschland zu gehen, fiel, als unsere Tochter unterwegs war. Wir
wollten, dass das Kind in Deutschland aufwächst."
halloRTL Heft 6-1989
>>> Beim
Städtequiz »Is ja 'n Ding!« - jeden Werktag von 12 bis 14 Uhr mit
Biggi Lechtermann und Hugo Egon Balder - bekommt die Stadt, die
als Sieger aus dem Wettstreit hervorgeht, eine RTL-Schablone und
jede Menge Rosenstöcke, um an prominenter Stelle in ihrer Stadt die
RTL-Buchstaben aus Rosen zu pflanzen und farbenprächtig
erblühen zu lassen. Dieses erfreuliche Schicksal blühte auch Bad
Berleburg. Mehr noch - das Städtchen bekam anlässlich der
RTL-Pflanzung prominenten Besuch: Biggi Lechtermann - auch eine
"Rose" in der Sprechercrew von Radio Luxemburg - kam, um den Bad
Berleburgern beim Rosenpflanzen kräftig unter die Arme zu greifen.
>>> Werbespots im Radio sollen
nicht nur Kundenfänger für Kaffeeröster, Autobauer und
Waschmittelhersteller sein - sie sollen auch Spaß machen. Drum lässt
Radio Luxemburg seine Hörer alljährlich den beliebtesten Funkspot
wählen. In diesem Jahr, so ergab die Umfrage, dürstete es die
meisten Hörer nach der Coca Cola-Werbung. Auf Katzenpfoten schlichen
sich die Kitekat-Spots auf den zweiten Platz in der Hörergunst. Und
da der Mensch hin und wieder auch was Warmes braucht, belegte
Nescafe den dritten Platz. >>>
RTL Hörfunk ist seit Jahrzehnten als das Programm bekannt, bei dem
es nahezu ununterbrochen was zu gewinnen gibt. Aber nicht etwa Geld
und Geltung sind es, was die RTL-Hörer zum Mitspielen animiert. Bei
Radio Luxemburg gibt's die wirklich schönen Preise - zum Beispiel
ein Wochenende mit dem ganzen RTL-Team in Luxemburg. 73 glückliche
Gewinner, die eine solche Reise ins Großherzogtum gewonnen hatten,
lud RTL ins Hotel Ibis am Luxemburger Flughafen ein. Dort hatte das
Team ein regelrechtes Familienfest arrangiert, wie man es sonst nur
vom »halloRTL Musikexpress« kennt. EInen ganzen Abend lang konnte
man mit den RTLern plaudern, tanzen, sich stapelweise Autogramme
abholen. Und man konnte so manchen RTL-Moderator singen hören.
Iff Bennett (Luxemburgs Antwort auf Rod Steward) besang seine
Tochter "Gina" und den "letzten Baum"; Hugo Egon Balder fügte
seinem "Don't Worry, Be Happy" neue, besonders von Kollegen nicht
ganz ernstzunehmende Strophen hinzu; Achim Graul trat
applauswürdig den Beweis an, dass er nicht nur als Moderator über
Ahnung von Country Music verfügt, sondern selbigen Sound auch selbst
gesanglich drauf hat; und Honey Bee Benson, sonst eher die
Rocklady in der Musikredaktion, schmeichelte sich mit einem ganz
sanften Song ins Gemüt. Radio Luxemburg - das ist eben immer auch
eine Prise Gauklertum.

Helga Guitton und Rainer Holbe übertragen am nächsten Morgen aus dem Frühstückssaal des Hotels Ibis live, aber nicht steif das »Sonntagsfrühstück«. Die frühstückenden Gewinner hatten dabei Gelegenheit die Daheimgebliebenen via RTL-Antenne zu grüßen.
halloRTL Heft 7-1989
>>> 25 Jahre
Kölner EXPRESS, die angeblich "schnellste Zeitung am Rhein - und RTL
Hörfunk war angetreten, dem Blatt die Geburtstagsparty auszurichten.
Traumpaar Biggy Lechtermann und Hugo Egon Balder
sendeten live von der Kölner Domplatte und hatten sich besondere
Späße ausgedacht. Publikumskandidation Tanja sollte fünf
EXPRESS-Redakteure auftreiben, die eine umgedichtete Arie aus dem
"Zigeunerbaron" schmettern sollten: "Ja das Schreiben und das Lesen
ist noch nie mein Fach gewesen." >>>
Stand ein Löwe im Regen: "Wir lassen uns die Laune nicht
verderben. Und den 2000. Geburtstag Bonns alles andere als ins
Wasser fallen", so lautete die Devise. Das mit dem Wasser ist
durchaus wörtlich zu nehmen: Sieben Stunden Live-Sendung vom Bonner
Marktplatz (mit Geert Müller-Gerbes) - und es goss aus sämtlichen
verfügbaren Kübeln. Auf der Bühne ein halbwegs trockenes Plätzchen
zu finden, war ein reines Glücksspiel, die Zahl der beschirmt vor
der Bühne ausharrenden RTL-Fans eine Sensation. Ebenso bedauernswert
wie tapfer war der Mann, der in dem neuen, übergroßen RTL-Löwen
steckte: Der hatte wirklich ein dickes Fell, das ihm allerdings -
weil regenwassergetränkt - mit der Zeit ganz schön schwer wurde.

>>> Vielfalt statt Einfalt - Mit RTL-Musik geht alles besser: Radio Luxemburg war seit jeher der Musiksender. Und wer heute RTL Hörfunk einschaltet und sich ein zauberhafter, melodiedurchwirkter Notenteppich vor den Ohren ausbreitet, darf sich dafür bei einem Team bedanken, das sich hausintern Musikredaktion nennt. Was für schreibende Redakteure die Schreibmaschine, das sind für die fünf Musikredakteure und deren Chefin Hilde Müller ihre Plattenspieler und CD-Player. Und da sitzen sie nun tagtäglich, stellen die Musikprogramme für die jeweiligen Sendungen zusammen. Und unterliegen dabei einer ebenso einfachen wie einleuchtenden Philosophie: Als im letzten Jahr Hubert Terheggen als neuer Programmdirektor das RTL-Ruder übernahm, durchforstete er zunächst Meinungsumfragen, die Aufschluss darüber gaben, welche Musik RTL-Hörer mögen: An erster Stelle in der Hörergunst steht der gute deutsche Schlager. Fragt sich nur: Was genau ist das? Der eine ordnet Klaus Lage in diese Schublade ein, der andere die Flippers. Überdies sehr gefragt ist der aktuelle englische Schlager, sprich das, was man allenthalben als Popmusik klassifiziert. Um soviele Hörer wie möglich zufrieden zu stellen, muss man folglich diese Elemente mischen und der Mixer obendrein deutsche wie internationale Oldies, italienische und französische Platten hinzugeben und das Ganze mit dem einen oder anderen Instrumentaltitel anreichern. Und die Volksmusik nicht zu vergessen! Denn die Meinungsumfragen sagen zweifelsfrei, dass extrem süddeutsche Klänge unglaublich gefragt sind - Tendenz steigend. Und nicht nur bei älteren Semestern. Die Plattenindustrie verdient sich an bayerischer Lederhosen-, Alm- und Bierzeltmusik mehr als eine goldene Nase. So kann es passieren, dass nach der neuesten Nummer von den Bee Gees das Original Naabtal-Duo gespielt wird: "Alle Geschmacksrichtungen - Extreme ausgenommen - sollen gleichermaßen bedient werden; niemand soll zu kurz kommen", sagt Hilde Müller. Das Risiko, dass der eine oder andere Hörer mit den Bee Gees viel, mit dem Naabtal-Duo hingegen wenig anfangen kann, gehen die Musikredakteure bewusst ein. "Ich glaube, jeder Hörer ist so tolerant, dass er eine Nummer verkraften kann, die ihm nicht gefällt. Denn er kann sicher sein, dass nach der volkstümlichen Platte wieder ein poppiger Titel kommt", begründet Hilde Müller solche außergewöhnlichen Konstellationen. Um im Wortlaut des Programmdirektors zu bleiben: "Meine zwölfjährige Tochter, meine 17-jährige Tochter, meine Frau und die Schwiegermutter müssen innerhalb einer Viertelstunde gleichermaßen musikalisch bedient werden." Radio Luxemburg ist und bleibt eben ein Familienprogramm. Doch gerade, wenn man alle Altersklassen gleichzeitig mit Musik verwöhnen will, ist die Titelauswahl ein heikles Thema: Nicht jede Scheibe, die bei anderen Sendern ein Bombenhit ist, läuft auch bei RTL. Denn unter Bomben gibt's bekanntlich auch Blindgänger - nicht selten wirkt ein Titel im RTL-Programm störend, der bei einem auf jung getrimmten Sender wie eine Granate eingeschlagen hat. Pro Woche kommen im Schnitt zwischen 50 und 60 Singles und an die 30 bis 40 CDs neu rein. Eine große Konferenz, bestehend aus den Moderatoren und den Musikredakteuren, entscheidet - nachdem die Musikredaktion eine Vorauswahl getroffen hat -, welche Platten ins Programm passen und welche eher als Schnittmuster für Pfannenkuchen zu gebrauchen sind. Entscheidend dabei ist vor allem eines: Die Musik bei Radio Luxemburg soll die Hörer gut gelaunt in den Tag schicken, sie den Tag über bei Laune halten und abends fröhlich zu Bett bringen. Hilde Müller: "Die besten Musikprogramme mache ich, wenn ich in schlechter Stimmung bin. Musik ist für mich so etwas wie seelische Hygiene". Sie ist Geschmacksoberrat, Regulativ und Kontrollinstanz in einer Person: Alle Programme der Musikredakteure wandern über ihren Schreibtisch, um zu verhindern, dass ein Titel fünfmal am Tag läuft. Seit Juni 1979 ist Hilde bei RTL. Zuvor hatte sie in Trier einen Buch- und Schallplattenladen aufgebaut, konnte also von daher jede Menge Musikkenntnisse mit nach Luxemburg bringen. Jörb Ebner: Seit 15. Juni 1963 bei RTL. Seitdem wurde er mit 13 verschiedenen Sendungen betraut. Seine allumfassenden Repertoire-Kenntnisse trugen ihm den ehrenvollen Titel "Musikprofessor" ein. Liliane Uciechowski: Betreut musikalisch »Ein Tag wie kein anderer« und die »Entenjagd«. Seit einem Jahr gehört sie zur Musikredaktion. Davor schrieb sie elf Jahre lang die Sendeabläufe und GEMA-Abrechnungen. Die beste Musik macht für die 29-jährige immer noch Chris de Burgh - an ihm liebt sie vor allem die ruhigen Töne. Honey Bee Benson: Ist Holländerin, spricht fünf Sprachen des alten Kontinents und hat in fast jedem Land schon gelebt, gearbeitet, getingelt. Erste Radioluft atmete sie bei der BBC in London. Danach ging's zum englischen RTL-Programm. Seit 1981 gehört sie zum Team des deutschen Programms von Radio Luxemburg. Hier arbeitet sie als Musikredakteurin und Moderatorin für Musiksendungen. Privat entspannt sie sich bei Jazz und Blues - Musikfarben, die sie schon am frühen Morgen genießen und damit schneller den Morgenmuffel abbauen kann. Ernst Greinert: Sorgt für den guten Ton in Kristina Hertels »Treff nach elf«, zweimal wöchentlich in »Guten Morgen« und Samstagabend in der »Nachtversorgung« von 22 bis 1 Uhr. Seit gut drei Jahren kämpft er sich durch Tausende von Platten. Davor war Musik "nur" ein Hobby für ihn. Denn eigentlich hat er mal Einzelhandelskaufmann gelernt und ist Taxi gefahren. Musikalische Vorliebe: Das Live-Album von Dire Straits hält er so ziemlich für das Beste, was in den letzten Jahren auf den Plattenmarkt kam. Cilly Lamberty: Gehört schon zum Inventar von Radio Luxemburg. Seit Oktober 1975 steht sie in RTL-Diensten. Jahrelang war sie die Stimme, die RTL-Hörer vernahmen, wenn sie beim Sender anriefen: Cilly saß in der Telefonzentrale. Zur Arbeit als Musikredakteurin kam sie nach eigener Einschätzung "wie die Jungfrau zum Kind". Hilde Müller zu ihrer Entscheidung, Cilly in ihre Crew aufzunehmen: "Sie ist nun schon so lange bei RTL und kennt die Hörer so genau, dass sie sehr wohl weiß, was musikalisch gewünscht wird. Außerdem hat sie ein absolut sicheres Gefühl für Musik." Zur Zeit stellt Cilly Lamberty die Musik für »Is ja 'n Ding« und einmal die Woche für »Guten Morgen« zusammen. Ihre Lieblingsplatte: I Put You Together Again" von Hot Chocolate. >>> Torsten Schuster interviewt im Prominenten-Talk Peter Kraus "Wenn Teenager träumen": Drehen wir die Zeit zurück in die Mitte der 50er Jahre. Namen wie Elvis Presley und Bill Haley kamen plötzlich ins Gespräch. Junge Leute auch in Deutschland begannen, diese Musik nachzuspielen. Das Ergebnis war der Rock 'n' Roll, und Peter Kraus war der erste deutsche Star dieser Stilrichtung. Er war damals so jung, wie die Fans selbst, sah gut aus und zog sich den Zorn der Eltern zu, die ihre Töchter vor ihm verstecken wollten. Sie verteufelten seine Show als obszön: Wie er da auf der Bühne stand, vor dem Mikrofon die Hüften kreisen ließ. Aber die Teenis flippten aus. Endlich war da einer, der ihre ureigensten Gefühle besang, der so dachte wie sie, der sich einen Dreck um die Verbote und Einschüchterungsversuche der Eltern kümmerte. Peter Kraus wurde zum Idol einer ganzen Generation - er veränderte sie, weil er ihr half, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Provokativ streifte man sich Jeans und Petticoats über, wie Peter und seine Partnerin Conny Froboess, und dann rockte man los, was das Parkett aushielt. Wenn Teenager träumen, dann - so scheint es - kommt Peter Kraus auch heute noch in ihren Träumen vor. Obwohl er ihr Vater sein könnte. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass der Rock 'n' Roll sich bis heute gehalten hat und jetzt wieder so richtig nach oben kommt? - "Dass diese Musik jetzt ganz stark wieder rauskommt, hängt, glaube ich, damit zusammen, dass sich die moderne Popmusik durch den technischen Aufwand in eine Richtung entwickelt hat, die ein bisschen steril, kalt, eben technisch klingt. Von daher gibt es eine Sehnsucht nach Musik, die relativ einfach ist, bei der man aber das Gefühl hat, dass sie aus dem Bauch kommt. Das ist auch der Grund, warum die Beatles heute noch so wahnsinnig gerne gehört werden: Das ist eben nicht bloß ein Maschinchen, das von einem einzigen Mann programmiert wird. Und ich glaube, dass es mit den Künstler-Persönlichkeiten zusammenhängt. Nachdem man nun Leute hatte wie Michael Jackson, Prince und all die, die zu Idolen hochgepuscht wurden, haben die Leute wieder Sehnsucht nach normalen Menschen - nach solchen, die man auch mal in der Kneipe trifft und mit denen man ganz normal reden kann. Ich glaube, man kommt wieder zu menschlicheren und normalen Idolen, die vielleicht auch was zu sagen haben, die nicht bloß ein Märchen zaubern und nicht nur konstruierte Popgebilde sind. Es ist nicht mehr so wichtig, wie Madonna frisiert ist und was Robin Beck für hochmodische Fetzen trägt. Der ganze Firlefans ist nicht mehr gefragt. Wir kommen wieder dahin, dass einer in Jeans und Hemd was singt, das eine Bedeutung hat für junge Menschen. So war es früher, und so ist Rock 'n' Roll auch heute noch." >>> Für RTL-Hörer war sie "eine liebe Gewohnheit": Abschied von Haidy Jacoby: Abschied nehmen fällt schwer - besonders, wenn man mehr als ein Vierteljahrhundert bei Radio Luxemburg gewesen ist. 23. November 1963, Sonntag, 8.00 Uhr: Haidy Jacobys RTL-Einstand. Von der ersten Sendesekunde an war ihr Improvisationstalent gefordert: Am Abend zuvor war John F. Kennedy in Dallas ermordet worden. Dementsprechend geändertes Musikprogramm und häufigere Nachrichten fegten alles vom Studiotisch, was Haidy sich für ihre erste Sendung hatte einfallen lassen. Gleich der richtige Einstieg in ein nicht viel ruhigeres Radio-Leben: »Nähkästchen«, »Von Haus zu Haus« und 15 Jahre lang die »Scharade« - das waren Haidys Serienstationen. Und natürlich der unvergessene Hörerroman, von Hörern ständig fortgesetzt, der über sechs Jahre lief. Jetzt ging Haidy in den Ruhestand. Sieht man zurück auf ihren Lebensweg, gab Haidy Jacoby ihr Rundfunkdebüt in einem Weihnachtshörspiel bei einem Leipziger Sender. Von dort ging die gebürtige Chemnitzerin ans Prager "Ständetheater" und unterschrieb mit 16 Lenzen ihr erstes Engagement. Als 18-Jährige spielte sie an den Stuttgarter Bühnen und tourte mit einem Pantomimen-Ensemble durch Europa. Dann - von Radio Luxemburg vom Fleck weg engagiert - wurde Haidy für die Hörer alsbald zu dem, was man "eine liebe Gewohnheit" nennt. Sie gab Verbrauchertipps, beriet Gartenfreunde, öffnete ihren »Kummerkasten«, den auch Kurzwellenhörer aus der DDR anschrieben. Eltern suchten ihre vermissten Kinder über Haidys »Fundbüro«, ehemalige Schüler ihre Klassenkameraden. Und es kamen Familien wieder zusammen, die der Krieg in alle Winde verstreut hatte. Bis kurz vor ihrem Abschied hatte Haidy Jacoby für RTLplus Spielfilme gesichtet und auf sendefähige Länge gekürzt.
halloRTL Heft 8-1989
>>>
Kristina Hertels »Treff nach elf« gedeiht mehr und mehr zu einem
Prominenten-Treff. Als die Radio Luxemburg-Moderatorin sich kürzlich
mit den Siegern des diesjährigen Grand Prix d'Eurovision, der Gruppe
"Riva" aus Jugoslawien verabredet hatte, machte sie die Erfahrung,
dass die Fünf nicht nur fröhliche Musik machen, sondern auch im
übrigen Leben gutgelaunte Zeitgenossen sind.
>>> Hörer Frank fragt Geert
Müller-Gerbes: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Sendung vor: -
"Ich lese sehr viel und versuche, vor einer Sendung möglichst zu
entspannen. Das kann ich am besten bei langen Spaziergängen durch
den Wald." >>> Frage an
Stephan Offierowski, der während der Bädertournee von »Is ja 'n
Ding« Hugo Egon Balder vertrat: Wie wird man eigentlich
Rundfunkredakteur? Da könnten die Kollegen von der Radioshow »Is
ja 'n Ding« so ein bequemes Leben haben. Die müssten doch nur jeden
Mittag in ihr Studio-Café in Düsseldorf gehen (Zollhof 1, direkt am
Hafen) und von dort bei Kaffee, Kuchen und Wurschtsemmeln ihre
Sendung abliefern. Statt dessen packen sie lieber drei RTL-Autos
voll, juckeln an die Ostsee und nehmen den Stress auf sich, von Ort
zu Ort zu ziehen, um heute hier und morgen da zu senden. Vormittags
Bühne aufbauen in Travemünde, nachmittags Bühne abbauen und weiter
nach Glücksburg, von dort nach Fehrmarn, Schönburg, Grömitz,
Timmendorf und Niendorf. Bädertournee nennt man das. Heute hier,
morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort. Und das alles nur der Hörer
wegen und um die örtlichen Strände zu beschallen. Aber nicht nur die
schöne Ostsee stand auf dem Reiseplan: weiter ging's ins "Fort Fun"
im Sauerland, in den Revierpark Mattlerbusch in Duisburg, in die
Kurstadt Bad Oeynhausen, ins "Phantasialand" Brühl - kurzum:
überall, wo sich's in der Ferienzeit die Urlauber wohlergehen
lassen, war auch RTL-Hörfunk zu finden. Wie ein Zirkus, der durch
die Lande zieht. Radio-Zirkus - der Begriff trifft den Nagel auf den
Kopf oder - um in der Radio-Sprache zu bleiben - das Mikrofon auf
den Windschutz. Radio-Zirkus: Spielereien mit dem urlaubenden
Publikum, mit Cocktailmixern, Interviews mit Kurdirektoren und jede
Menge Sangeskünstler. Aber etwas war anders als sonst: Hat Biggi
Lechtermann etwa einen neuen Mann an ihrer Seite? War sonst immer
Hugo Egon Balder ihr Moderationspartner, so führte sie nun mit
Stephan Offierowski durch die Mittagssendung. Den kennen gelernte
RTL-Hörer sonst eher als "Sekundant" des »Musikduell«: Werktäglich
von 17.00 bis 19.00 Uhr. Stephan Offierowski sieht seine Vertretung
für Hugo Egon Balder als nächsten Schritt hin zu einer eher
journalistisch geprägten Radioarbeit. Denn den ehrwürdigen Beruf des
Journalisten hat er gelernt bei Radio Luxemburg, Volontariat nennt
man diese Ausbildung. Sie beinhaltet schlichtweg alles, was zum
Rundfunk gehört: Es beginnt bei ganz simplen technischen
Angelegenheiten wie dem Bearbeiten und Schneiden eines Tonbands,
geht weiter über das Erlernen der technischen Abläufe, das Erstellen
von Plattenprogrammen, Einsatz von Jingles, Überprüfen der
Zeitabläufe und ähnliches mehr. Alsdann geht's rein in die
Feinbereiche des Journalismus. Magazinsendungen mit
Unterhaltungscharakter, wie sie bei Radio Luxemburg laufen, müssen
natürlich redaktionell begleitet werden. Das bedeutet: Man lernt die
klassische Recherche, erfährt, wie man seine Kontakte knüpft und
über welche Institutionen man gehen muss, um seine Gesprächspartner
zu bekommen. Stephan Offierowski: "Für mich
ganz wichtig war, dass alles Erlernte auch gleich praktisch
angewandt werden musste. Man macht die Recherche, führt die
Vorgespräche mit den Interviewpartnern, man überlegt sich, was an
welcher Stelle sinnvollerweise gesendet werden kann, und stellt
schließlich die Sendung zusammen." Was hier gemacht wird, ist
beinahe schon die eigenverantwortliche Arbeit eines Redakteurs. Als
solcher praktizierte Stephan Offierowski während seiner Ausbildung
in mehreren Magazinsendungen, im Morgenprogramm und in zwei "jungen"
Magazinen, in denen auch sogenannte Zeitgeist-Themen ihre
Sendeminuten fanden. Vertieft wird die Ausbildung der RTL-Volontäre
auf der Akademie für Publizistik in Hamburg. Der Besuch dieses
Instituts gehört mittlerweile fest zum Volontärsprogramm bei Radio
Luxemburg. Der Kompaktkurs beinhaltet Presserecht und Berufsethik,
dort werden ein Fernseh- und ein Radiomagazin gemacht, es werden
Reportagen entwickelt sowie Nachricht und Kommentar geübt. Den sich
förmlich aufdrängenden Verdacht, mit Journalismus habe das
»Musikduell« ja nun überhaupt nichts zu tun, weist Stephan
entschieden zurück: "Unterhaltung zu verkaufen ist in jedem Fall
auch Journalismus - beim »Musikduell« natürlich in einer Form, die
in einer ganz bestimmten und, ich gebe zu, auch einseitigen Richtung
informiert. Aber das ist genau das, was der Hörer des »Musikduells«
möchte." Am Anfang hat er sich jeden
Moderationstext für's »Musikduell« aufgeschrieben. Heute notiert er
sich zu den Platten, zu denen ihm eine Wortspielerei oder ein Gag
einfällt, nur noch ein einziges Stichwort, um das er dann seine
Moderation herum baut - frei aus dem Stand. "Seit ich nach dieser
Methode arbeite, fühle ich mich noch wohler in der Sendung, weil sie
einfach spontaner geworden ist." Nach seinem Vorbild befragt,
zögert der 26-jährige Kölner nicht eine Sekunde: "Wie unser
geschätzter Kollege Geert Müller-Gerbes durch seine Talk-Sendung
führt, finde ich bewundernswert. Der macht keinen harten
Journalismus, aber auch kein Lari-Fari-Programm."
halloRTL Heft 9-1989
>>>
BORD-PARTY: Einer der vielen Höhepunkte der Sommertournee von »Is
ja 'n Ding« war es, als Biggi Lechtermann und Stephan Offierowski
ihre Gäste und das Publikum auf die "Wappen von Köln" baten. Mehrere
Tage lang hatten sie das Schiffsruder fest im Griff. Zu den
Interviewgästen gehörte auch "Miss Loreley".
>>> RTL-Wunschkonzert -
Musikalisch über den Wolken schweben: Sonntag für Sonntag, von
14.00 bis 17.00 Uhr, ist der RTL-Telefoncomputer dem Verglühen nahe.
Hunderttausende versuchen anzurufen - die meisten leider ohne
Erfolg. "Ich versuche es jeden Sonntag. Und nach vier Jahren bin ich
heute zum ersten Mal durchgekommen", so eine Hörerin. Und dabei
hatte sie noch Glück. Denn lange nicht jedem, der durchkommt, wird
auch das Vergnügen zuteil, mit dem Moderator der Sendung, Günther
Meyer, plaudern zu dürfen. Das ist der Mann, der jeden Sonntag,
jedes Oster-, jedes Pfingst- und jedes Weihnachtsfest im Funkhaus
verbringt. Da macht er sich's mit seinem Team gemütlich - so richtig
mit Kaffee und Kuchen und so. Die Wunschkonzert-Mannschaft besteht
aus einer Archivbesetzung, einem Musikredakteur, einem Läufer, der
zwischen Studio und Archiv hin- und hersaust und die Platten quer
durch den Stadtpark rüberholt, der Mann am Pult, der für den
technisch guten Ton sorgt, der Sendesekretär und eben Günther Meyer:
"Der Reiz für mich ist, dass ich in der Sendung so etwas wie ein
Geldbriefträger bin. Man macht den Leuten immer wieder eine Freude."
Ungeheuer viele Menschen gibt es, die auf einen musikalischen Gruß
warten. Viele Einsame, die niemanden mehr haben. Die rufen an und
sagen: "Ich möchte nochmal 'La Paloma' hören - bei dem Lied hab' ich
meinen Mann kennengelernt, der vor vier Jahren verstorben ist." In
unzähligen Fällen - so scheint es - ist das Wunschkonzert
Lebenshilfe pur. Günther Meyer: "Es ist für meine Begriffe eine
große Aufgabe, nicht nur am Mikrofon, sondern auch am Telefon für
diese Menschen dazusein." Kürzlich hat erst wieder ein Hörer
angerufen und gebeten: "Da war neulich ein Herr X aus Y bei Euch in
der Sendung - der war mit mir in der Klasse, und ich würde ihn gerne
wiedersehen." Mit derlei Nebenher-Dienstleistungen hat das
Wunschkonzert-Team schon so manche Menschen, die lange nichts
voneinander gehört hatten, wieder zusammengeführt.

Günther Meyer ist der einzige im RTL-Team, der die Privatpiloten-Lizenz für zweimotorige Maschinen inklusive Blindflugberechtigung in der Brieftasche trägt. Immer samstags zieht's ihn in Richtung Flugplatz. Ganz besonders schlägt sein Herz für alte Maschinen. "Das Faszinierendste für mich ist meine alte 'Tante Ju' und natürlich die 'Grand Old Lady DC3'. Und sicher auch seine eigene 18 Jahre alte Morane MS 883, ein französisches Modell mit ausgesprochen gutmütigen Eigenschaften, das technisch mit dem legendären 'Flieseler Storch' viel gemeinsam hat. Damit fliegt er nach Frankreich, um Wein einzukaufen, an die belgische Küste oder mal eben nach Sylt. In gefährliche Situationen ist er dabei noch nie gekommen: "Angst vorm Fliegen hab' ich nicht, nur vor Fliegern, die keine Angst haben."
halloRTL Heft 10-1989
>>> Bereits seit Monatsbeginn
weckt Radio Luxemburg seine Anhänger mit einer gänzlich neuen »Guten
Morgen«-Sendung. »Schlag auf Schlag«, so der Untertitel, präsentiert
Rolf Röpke von 5.30 bis 8.00 Uhr aktuelle Schlagzeilen aus täglich
wechselnden Tageszeitungen. Der Haken dabei: Aus den Schlagzeilen
geht nicht unmittelbar hervor, um welche Story es sich dabei
handelt. Dies zu entschlüsseln, ist Sache der Hörer. Eine
Plattenlänge haben die Hörer Zeit, ihren Tipp anzumelden. Ähnlich
sieht das Spielsystem der Samstags-Ausgabe von »Guten Morgen« aus.
Nur dass das Spiel hier nicht mit Tageszeitungen, sondern mit dem
"Stern" über den Äther geht. Moderiert wird die Sendung von Geert
Müller-Gerbes. Mit dem Sendekonzept änderte sich auch die
Arbeitsweise der »Guten Morgen«-Redaktion. Britta Loog, Samy Bahgat
und Produzent Thomas Timm können quasi erst ab 17.30 Uhr so richtig
anfangen zu wirbeln: Sie telefonieren sich mit der jeweiligen
Tageszeitung zusammen, stimmen die Schlagzeilen ab, arbeiten die
Alternativen aus und nehmen bis Mitternacht die
Korrespondentenberichte auf Band auf. Sie werden das Kunststück
fertigbringen, nachts Experten ans Telefon zu bekommen. Die Sache
ist nicht als Gewinnspiel mit gigantischen Preisen gedacht. Das
Motto der Sendung lautet in erster Linie: "So sehen die Kollegen der
schreibenden Zunft den Tag." Nebenbei testet Radio Luxemburg
schlicht und ergreifend das Wissen seiner Hörer und sucht den
bestinformierten Zeitgenossen des Tages, der als Anerkennung ein
kleines »Guten Morgen«-Radio erhält. Montags bis freitags gibt es
einen zweiten Teil der Frühsendung mit dem Untertitel »Fix und
fertig«, charmant serviert von Biggi Lechtermann, "Fix", weil die
Inhalte ruckzuck, kurz und knackig rüberkommen, und "fertig", weil
die Hörer nach dieser Sendung komplett informiert in den Tag
entlassen werden. Biggi Lechtermann versendet hier Service-Tipps,
zum Teil in Form ständiger Rubriken: Hademar Bankhofers
Gesundheits-Schiene, Angelika Geldmacher mit ihren verblüffend
preisgünstigen Menüplänen, Ingrid Wichardt-Laub, die den RTL-Hörern
Manieren beibringt, ein Tierarzt mit Tipps für Aufzucht und Pflege
unserer geliebten Vierbeiner. >>>
Radio Luxemburg bald bundesweit in CD-Qualität: Auf der
Internationalen Funkausstellung in Berlin - Kultstätte der
Unterhaltungselektronik und der Radio- und Fernsehsender - wird in
der Regel an Superlativen nicht gespart. Begriffe wie "neue
Rundfunk-Ära" geisterten unter dem Berliner Funkturm umher. Am 24.
August startete Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling in
Berlin den Digitalen Satelliten-Rundfunk (DSR). Damit strahlte der
Fernsehsatellit "Kopernikus 1" zum ersten Mal offiziell digitale
Radiotöne ab. Und Stephan Offierowski moderierte täglich das
»RTL-Musikduell« aus einem digitalen Studio der Bundespost - auch
wenn ihn noch kaum einer in digitaler Qualität hören konnte. Nur ein
Messegag also, aber einer, der auf eine in der Tat bessere
Radiozukunft hoffen lässt. Der Sound, der aus dem Radio kommt, ist
dann mit der Klangreinheit der CD vergleichbar. Mehr als nur ein
Hoffnungsschimmer also für die zahllosen RTL-Hörer, die bislang auf
eher minderwertigen Mittel- und Kurzwellenempfang angewiesen waren.
Alles was man noch braucht ist ein digitaler Rundfunkfunkempfänger.
Die ersten Geräte werden auf der IFA '89 vorgestellt. Ende Oktober /
Anfang November werden sie für zirka 1800 Mark im Handel erhältlich
sein. Durch den digitalen Hörfunk werden die DAT (Digital Audio
Tape) Geräte wieder interessant. Bislang war das DAT-System ein
Flop, weil eine Kopiersperre verhindert, CDs in digitaler Qualität
auf Cassetten zu überspielen. Der digitale Satelliten-Rundfunk ist
ausnahmsweise eine deutsche Entwicklung. Weder die Amerikaner noch
die sonst ebenso findigen wie schnellen Japaner haben derzeit etwas
Vergleichbares anzubieten.
>>> Hörer Dirk fragt Biggi
Lechtermann: Wie bist du eigentlich zu RTL gekommen? - "Während
meiner Ausbildung zur Industriekauffrau wurde ich gefragt, ob ich
nicht Lust hätte, den »halloRTL Club« mit aufzubauen. Natürlich
hatte ich Lust. Zu meinen Aufgaben gehörten damals Berichte in der
Clubzeitschrift ebenso wie die Betreuung der Clubmitglieder oder die
Auswahl von netten Artikeln fürs Clubangebot. Außerdem habe ich
jeden Samstag in der Clubsendung per Telefon berichtet. Nach
drei Jahren bat mich Jochen Pützenbacher, die Sendung
vertretungsweise ganz zu moderieren. Danach hat mir Jochen eine
Ausbildung in Luxemburg angeboten." Warum tanzt du auf zwei
Hochzeiten - bei RTL im Radio und beim ZDF im Fernsehen? Du hättest
doch auch zu RTLplus gehen können? - "Das ZDF hat mir als erster
Fernsehsender die Chance gegeben, eine eigene Sendung zu moderieren.
Als dann die Aufbauphase von RTLplus begann, habe ich dort natürlich
auch einige verschiedene Sendungen gemacht. Aber dann wollte mich
das ZDF sozusagen zurückhaben und bot mir gleich zwei verschiedene
Sendungen an: »1, 2 oder 3« und »Technik 2000«." Was macht mehr Spaß
- im Radio oder im Fernsehen zu arbeiten? - "Beim Rundfunk hat man
die Möglichkeit, sehr schnell und aktuell zu sein. Und gerade Radio
Luxemburg ist ja bekannt dafür, dass viele Ideen ausprobiert und
umgesetzt werden. Und wenn man mal in einer ausgeleierten
Jogging-Hose vorm Mikro sitzt, stört das nicht mal den Pförtner.
Beim Fernsehen kommt eben noch ein Punkt mehr dazu: das Bild. Man
muss also auch noch auf Outfit, Mimik und Gestik achten. So gesehen
sind Radio und Fernsehen zwei verschiedene Medien. Mir macht beides
sehr viel Spaß."
halloRTL Heft 11-1989
>>>
RTL-Messestudio - "Helga ist ein süßer Käfer": Zehn Tage lang
sendete Helga Guitton von der Internationalen Auto-Ausstellung in
Frankfurt. Zehn Tage lang bogen sich die Stühle unter der
hochkarätigen Prominenz - besonders Günter Strack, dem die Rolle des
Pfarrers buchstäblich auf den Leib geschrieben ist. Franz
Beckenbauer, Volker Hauff (Frankfurts Oberbürgermeister), Elmar
Gunsch, Ulli Stein (Torhüter bei Eintracht Frankfurt), Jochen Mass
(Autorennfahrer), sogar Doris Papperitz (die langbeinige aus dem
ZDF-Sportstudio), Äppelwoi-Fan Heinz Schenk, Rock 'n' Roller Peter
Kraus, Max Schautzer, Eisprinzessin Claudia Leistner und viele
andere mehr - alle erwiesen sie Helga die Ehre ihres Besuchs auf der
RTL-Bühne. Fernseh-Rechtsanwalt Rainer Hunold (»Ein Fall für zwei«)
wurde dafür von ihr reichlich mit Komplimenten überschüttet. VW-Chef
Dr. Karl-Horst Hahn konterte ähnlich charmant: "Sie sind ja wirklich
ein süßer Käfer." Es muss nicht immer gleich eine Weltmesse wie die
IAA sein, damit Radio Luxemburg aufkreuzt. Von der "Welt der
Familie" in Saarbrücken sendete Achim Graul das sonntägliche
Wunschkonzert. >>> Löwenfestival
1989: Biggi Lechterman verlieh sechs Kinderlöwen, einen an Frank
Duval, der sich um kranke Kinder in Indien kümmert. Der Sprung vom
Naabtal-Duo zu Nina Hagen war wohl der kritischste Moment der
Veranstaltung, aber aus einem ganz anderen Grund, als die Kritiker
vermuteten. Während nämlich die beiden bayerischen Buam in ihren
Krachledernen der "Patrona Bavaria" huldigten, war Nina Hagen noch
gar nicht in der Halle angekommen. Sie hatte am selben Abend einen
Auftritt in der NDR-»Schaubude« in Hamburg und wurde anschließend
nach Dortmund eingeflogen. Löwenbändiger Jochen Pützenbacher: "Im
äußersten Fall hätten wir die 'Magic Platters' vorziehen können."
Indes: Acht Minuten vor ihrem Auftritt kam Nina doch noch. Rein in
die Maske, rauf auf die Bühne, erleichtertes Aufatmen hinter den
Kulissen. Schon die Eröffnung durch "Kaoma" mit ihrem Hit "Lambada"
- überall in Europa die Nummer Eins der Charts - brachte selbst
Disco-gewohnte Paare ins Schwitzen. Nach dem Motto "heiß, schnell
und möglichst eng" fällt der "Peitschenhieb" (so die Übersetzung aus
dem Portugiesischen) hart an der Grenze zur Rubrik jugendgefährdende
Tänze. Eins ist sicher: Die Löwenverleihung 1989 wird in die
Geschichte der Westfalenhalle eingehen und dem Ordnungspersonal noch
lange in Erinnerung bleiben. Schuld daran ist freilich David
Hasselhoff. Der hatte - ohne Übertreibung - den Status einer
Naturgewalt. Drei Stunden hatte das Publikum auf den Auftritt des
Zwei-Meter-Mannes gewartet. Dann endlich kam er mit dem echten
"KITT" in die Löwenarena gerollt (ein Original, keine Kopie! Mit dem
Wagen wurden 28 'Knight Rider'-Folgen gedreht. Mit allem
Computer-Schnickschnack ist das Wägelchen eine satte Million Mark
wert). Gleich zwei Trophäen durfte der Lulatsch in Empfang nehmen:
Von Jack White bekam er eine Platin-Schallplatte für 500.000
verkaufte Tonträger und von Jochen den Goldenen Löwen. Seinen
Erfolgssong "Looking For Freedom" widmete er anschließend
werbewirksam den Flüchtlingen aus der DDR. Das Bad in der Menge
wurde für David Hasselhoff zu einem wahren Triumphzug. Über 10.000
Zuschauer waren von den Sitzen gesprungen, verwandelten die
Westfalenhalle in ein Tollhaus. Aber sie blieben dabei erstaunlich
diszipliziert. Nach dem Löwenfestival verlagerte sich das Geschehen
ins Hotel Maritim. Dort kreisten manche Becken bis zum Frühstück im
Lambada-Rhythmus. >>> Die
»CASINO PARADE« - werktäglich von 12.15 bis 14.00 Uhr: "Sie
sollten mich sehen!" frohlockte Hugo Egon Balder scherzhaft bei der
Premiere der »CASINO PARADE«, der neuen Mittagssendung von Radio
Luxemburg. Nicht nur Hugo in seinem geschniegelten Gigolo-Outfit ist
eine Sehenswürdigkeit - die ganze Sendung mit Stargästen, mit der
Pepe Delgardo Band, mit bunten Spielereien - schade, dass man Radio
nicht auch sehen kann! Pro Woche ist ein Brautpaar Kandidat der
Spielshow. Der täglich wechselnde Stargast spielt mit und zwar für
das Kandidatenpaar. Nebenbei können auch die Hörer beim
"Kofferspiel" etwas gewinnen. So ganz neu ist die Spielidee freilich
nicht: Die Kollegen des französischen RTL-Programms in Paris treiben
das Spiel schon seit zwölf Jahren überaus erfolgreich - ebenfalls
zur Mittagszeit. Mit ungeheuer viel Liebe und Mühe wurde das
Studio-Café am Düsseldorfer Hafen umgebaut - freilich auch in
Teamarbeit: Selbst Hugo Egon Balder hat auf der Leiter gestanden und
Birnen eingeschraubt. Durch geschickten Einsatz von RTL-Schriftzügen
und Lichteffekten entstand ein nahezu fernsehreifes Bühnenbild.
>>> Seit November 1964 gehört
Helga Guitton zum "Inventar" bei Radio Luxemburg: In
ihrem täglichen Magazin »VIVA - das Leben findet täglich statt«
vereint sie unvergleichlich harmonisch journalistische Recherche und
belebenden Charme. Der Gesprächstermin zu ihrer Personality-Story
wird fast zu einer Lehrstunde in Sachen Golfen. Golf ist Helgas
Lieblingssport, "ein Spiel für den Charakter, eine Sucht, ein
Auftanken neuer Energie nach dem Radiotag". Unmöglich sich nicht von
ihrer Begeisterung anstecken zu lassen. Den Winter mag die
Golfspielerin Helga nicht so sehr. "Mein kleiner Fehler" grinst
Helga, legt sich entspannt nach hinten zurück und kramt einen
Kaugummi aus ihrer Handtasche. "Weniger das Rauchen", überlegt sie
(im Laufe unseres Gesprächs kombiniert sie mehrere Male Kaugummi und
Zigarette - gleichzeitig, wohlgemerkt!), nein, ich rauche eigentlich
nicht viel. Aber bei einer Torte, da kann ich nur schwer nein
sagen...". Früher, so heißt es, habe Helga Radio für Frauen gemacht,
mit einer reinen Frauenredaktion, fast ausschließlich fixiert auf
Frauenthemen. "Ja, doch, haben wir gemacht in »VIVA«, aber sicher",
meint sie, "plötzlich waren zu einem gewissen Zeitpunkt nur noch
Frauen in meiner Redaktion, da tauchten auch sehr viele Frauenthemen
auf. Heute ziehe ich es vor, mit einer gemischten Mannschaft zu
arbeiten. Ich habe nie nach einer Nur-Frauen-Redaktion gefragt, das
ergab sich halt so." Sie habe das Glück, einen Beruf auszuüben, der
verlangt, immer am Ball zu bleiben, der Stillstand nicht duldet:
"Die Unterzeile in »VIVA« heißt nicht umsonst
'Das Leben findet täglich statt'. Das geht auf mich über."
>>> Thomas Gottschalk, der Top-Schalk: Wenn der
Tag geht und Tommy kommt, dann hängen sie alle an der Glotze. Selbst
wenn Torsten Schuster die abgebrühtesten Insider des Showbusiness
fragt, was sie sich im Fernsehen gerne anschauen - ausnahmslos
halten sie die Plaudertasche Gottschalk für den Größten. Du hast ja
mal Pädagogik studiert, Lehrerexamen gemacht. Hast du eigentlich
auch als Lehrer gearbeitet? - "Ich habe, wie's zum Studium eben
gehört, auch unterrichtet. Meine Schüler erinnern sich hoffentlich
noch daran." Und wie kommt man dann zum Radio? - "Es war umgekehrt.
Ich habe schon vor dem Studium als freier Mitarbeiter beim Hörfunk
gejobbt. Aber meine Mutter machte sich Sorgen, dass ich da völlig
verdümpele. Und um sie zu beruhigen, habe ich schön brav meine
Germanistik studiert. Als ich dann aber merkte, dass das mit dem
Rundfunk eine konkrete Geschichte wird, hab' ich nur noch schnell
meine staatliche Prüfung hingelegt und dann die Kurve gekratzt." Und
wie kam dann der Kontakt zu Radio Luxemburg zustande? -
"Für mich wie auch für viele andere war RTL
damals der Sender, der eine völlig andere Sprache gesprochen hat -
eben nicht so wie die ARD-Sender, die diesen 'Guten Abend, meine
Damen und Herren'-Jargon gepflegt haben. Und als ich dann zum ersten
Mal bei RTL am Mikrofon saß und der Camillo Felgen kam rein und war
plötzlich mein Kollege - das war genauso schön wie neulich, als ich
mit Herman's Hermits gemeinsam auf einer Bühne gesungen habe." Was
machte denn deiner Meinung nach schon damals die Einmaligkeit von
RTL aus? - "Dass da eben Leute saßen, die nicht rein akustisch den
weißen Kragen anhatten. Die redeten wie normale Menschen und nicht
wie bezahlte Radioansager. In der Gesellschaft habe ich mich sehr
wohl gefühlt. Hitparade, Kindersendungen, Mister Morning mit Viktor
Worms als meinem Redakteur - das waren so meine Stationen." Hast du
heute noch Verbindung zu Viktor? - "Na ja, Du weißt, wie das so ist
in unserer Branche: Viktor macht in München Radio, ich mache meine
eigenen Fernseh- und Radiogeschichten. Unsere Wege kreuzen sich
eigentlich relativ selten. Wenn, dann sehen wir uns eher dienstlich
als privat. Aber wir denken immer wieder gerne an unsere gemeinsame
Zeit bei Radio Luxemburg zurück." Und wie kam es dazu, dass du Radio
Luxemburg verlassen hast? - "Wenn RTL damals seinen Sitz in München
gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich heute noch bei Euch. Aber
meine Frau Thea wurde erfreulicherweise schwanger, und als es soweit
war, gehörte ich eben nicht mehr vors Mikrofon in Düsseldorf,
sondern ans Kinderbett in München. Deswegen habe ich im Studio
Düsseldorf leider die Fliege machen müssen. Aber das hatte nur damit
zu tun, dass mein Lebenszentrum eben München war und Eures nicht."
Gibt's bei dir nicht auch Tage, wo du wie jeder normale Mensch auch
einfach mal keine Lust hast? - "Natürlich gibt's die auch. Aber dann
hilft nur noch die Professionalität, dass du dir eben sagst: Unter
ein gewisses Level sinkst du nie! Aber wenn so ein Tag bei mir
zweimal im Jahr kommt, ist das viel."





























