RTL RADIO Luxemburg
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der Redaktion RADIOJournal
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Drei Buchstaben ... ein Untergang?
Es war einmal ein allseits beliebter Radiosender, der durch ein buntes Programmangebot auffiel und lockere Präsentation bot, als in Deutschland Privatfunk noch in weiter Ferne lag. Einige bekannte Namen sind mit diesem Sender, Radio Luxemburg hieß er, verbunden: Camillo Felgen, Programmdirektor Frank Elstner (der eigentlich Tim heißt und durch „Wetten, dass...? zum Star wurde), Desirée Nosbusch-Becker, Hugo-Egon Balder, Geert Müller-Gerbes, Hans Meiser, Jochen Pützenbacher und so weiter und sofort. Sogar Thomas Gottschalk war bei RTL, als er noch kein Superstar war: Anfang der Achtziger als „Mister Morning“ in der Frühsendung »Guten Morgen, Deutschland«.
Radio Luxemburg
erfreute sich großer Beliebtheit im Sendegebiet, dem deutschen
Westen und Südwesten, durch den Einsatz von Kurz- und Mittelwelle
auch darüber hinaus bis in die DDR. Als Mitte der Achtziger der
Privatfunk in Deutschland auf den Weg kam, war die
RTL-Muttergesellschaft CLT (Compagnie Luxembourgeoise de
Télédiffusion) auch gleich mit von der Partie. Zum einen beim
landesweiten Hörfunk, aber auch im Lokalfunk, wo der erfolgreiche
RTL-Hörfunk einigen kleinen Sendern (FR 1, Radio ES, Radio Merkur,
FFB) als Programm-Mantel diente. In Stuttgart verschaffte sich
indessen ab 1988 ein Sender namens Bürgerradio Gehör, der über
mehrere starke Frequenzen verfügte. In Radio BB und dem
Rems-Murr-Bürgerradio fand man Partner, die auf ihren Wellen
erhebliche Teile des Stuttgarter Programms übernahmen, das eine sehr
schmale Musikpalette und ansonsten nicht sehr viel bot.
Die Nachricht, dass
die CLT bei diesem Sender einsteigen wolle und Programmteile von RTL
über die Bürgerradio-Kette verbreitet werden sollten, weckte 1989/90
Hoffnung auf etwas mehr Niveau in der baden-württembergischen
Privatfunkszene. Als die Pläne schließlich umgesetzt wurden, stellte
sich die Lage anders dar. Im Bürgerradio-Sendezentrum Heusteig
sollte ein 24-Stunden-Rahmenprogramm entstehen, das anderen Sendern
kostenlos zur Verfügung steht. An einem Montag im Juli startete RTL
Baden-Württemberg; der Name Bürgerradio war verschwunden, auf dessen
Frequenzen hörte man folglich RTL Radio, wobei der größte Teil mit
dem eigenen Rahmenprogramm bestritten wurde. Eine Niveauverbesserung
brachte das nicht mit sich. Symptomatisch schon eine Panne gleich
beim Sendestart: wegen technischer Probleme mussten die
6.00-Uhr-Nachrichten entfallen. Während das Bürgerradio seine
eigenen Nachrichten produziert hatte, übernahm man die News jetzt
vom „echten“ RTL Radio aus Düsseldorf.
Im Zuge dieser
Veränderungen wollten die Betreiber nun auch das Luxemburger /
Düsseldorfer Programm, obgleich schon jugendlich genug, flotter
machen: dazu gehörte nicht nur der Name RTL Radio (statt Radio
Luxemburg). Zum 1. Oktober gab es gleich noch eine Programmreform,
der so beliebte Sendungen wie »Is’ ja ’n Ding«, »Viva« mit Helga
Guitton, »Nachgefragt« oder Achim Grauls »Entenjagd« und Stefan
Offierowskis »Musikduell« sowie die Abendschiene zum Opfer fielen.
Bald wurde das Programm von 18.00 bis 6.00 Uhr aus Stuttgart
übernommen, wobei die Kontraste zwischen den beiden Angeboten kaum
größer hätten sein können.
Ein Jahr später
erfolgte mit dem Sendestart von 104.6 RTL Berlin ein weiterer
Einschnitt. Ein Großteil der Original-RTL-Mannschaft, die für
Qualität bürgte, wurde nach Berlin abgezogen, nachdem das
Hauptstadt-Programm zuvor für einige Zeit aus Düsseldorf via Astra
überspielt wurde. Die so entstandenen personellen Lücken wurden
durch weitere Übernahmen aus Stuttgart gestopft, wo der Computer das
Programm machte. Ein Stück Originalität war allerdings schon zuvor
durch die radikale Umstellung auf das Hot-AC-Format verloren
gegangen. Nun aber war man endgültig dabei, den guten Ruf und den
Qualitätsnamen RTL (jedenfalls im Radiobereich) zu ruinieren. Etwas
Hoffnung konnten die Fans des traditionellen RTL schöpfen, als im
Herbst 1992 das Gerücht ging, es solle ein zweites Programm mit
volkstümlicher Ausrichtung aufgelegt werden. Dies entsprach zwar
nicht der Realität, so ganz falsch war die Meldung aber nicht.
In der Tat reiften
nämlich Pläne ein zweites Programm, wiederum konzipiert als
kostenloser Mantel für andere Stationen. Es sollte aber ebenfalls
aus dem Stuttgarter Sendezentrum Heusteig kommen, nicht aus
Düsseldorf. Das ehrgeizige Ziel: das erste Oldie-Radio Deutschlands.
Erneut war kein unmittelbarer Bezug zum originalen RTL zu erkennen,
und kurzfristig wurde dann auch noch bekannt, dass gleichzeitig das
„echte“ RTL einen weiteren Formatwechsel durchmachen sollte. Vom 2.
November 1992 an war RTL Radio zum Oldiesender degeneriert; überdies
wurden nur noch neun Stunden täglich selbst produziert. Damit nicht
genug, einige Tage später war das Programm vollends von Kurz-,
Mittelwelle und Astra verschwunden: dort läuft seitdem rund um die
Uhr das Stuttgarter Oldie-Programm. Die Kurzwellen 6090 kHz musste
man schon zum Jahresende wieder abgeben, hier wird seither zwölf
Stunden täglich das französische RTL parallel zur Langwelle 254 kHz
ausgestrahlt (wo es ganztägig zu hören ist).
Ebenso wechselhaft die Belegung der Mittelwelle 1440 kHz, die seit Ende 1991 rund um die Uhr RTL Radio abstrahlte, nachdem das englische Radio Luxembourg auf Astra wechselte (und dort ein Jahr später ganz eingestellt wurde). Nach der Aufschaltung des Oldieprogramms wurde die Leistung des Senders verringert, um Energie und Kosten zu sparen, außerdem die Sendezeit verkürzt: um 23.00 Uhr ist jetzt Sendeschluss, nach Nachrichten und luxemburgischer Nationalhymne. Auf der Kurzwelle 15630 kHz ist der Oldiesender merkwürdigerweise auch zu hören, nachdem dort früher mal der englische, sehr viel früher der französische Dienst gesendet wurde. Hauptstrahlrichtung ist die frankophone kanadische Provinz Quebec; der Empfang in Europa ist dementsprechend schlecht bis unmöglich.
Während RTL auf dem Fernsehsektor expandiert, herrscht über die Radiostrategie eher Rätselraten. Die Bedeutung der reichweitenstarken Sender wird nicht erkannt, hier wird das Angebot zurückgeschraubt. Sind sinkende Hörerzahlen aber so verwunderlich, wenn man das eigene traditionsreiche Programm dauernd verändert und ein Programm-, Sender- und Format-Wirrwarr anrichtet?
Autor: Ralf Kohler
Aus RADIOJournal 11/1993

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