
»Programm-Macher mit Herzblut«
Georg Dingler ist seit dem Sendestart
bei Gong 96,3 an Bord
Die besten Hörerzahlen der Sendergeschichte sind sicher der schönste
Beweis dafür, dass die Gong-Philosophie noch immer funktioniert. Die
Stundennettoreichweite in der Funkanalyse Bayern steigerte sich von
59.000 Hörern im Vorjahr auf stolze 78.000 Hörer in 2010 - ein
sattes Plus von über 30 Prozent. Ebenfalls deutlich zugelegt hat
Gong 96,3 bei der Tagesreichweite, die mittlerweile bei 310.000
Hörern liegt. Der Weiteste Hörerkreis wuchs noch einmal auf 726.000
Hörer an. Die aktuellen Zahlen der bundesweiten Media-Analyse
belegen ebenfalls den Aufwärtstrend für Münchens erstes Stadtradio,
das zugleich Deutschlands ältester Privatsender ist.
Georg Dingler ist seit dem Sendestart am 24. Mai 1985 mit an Bord.
Zunächst war er als Marketingleiter tätig und sorgte dafür, dass
Radio Gong 2000, wie der Sender damals noch hieß, in der Stadt
präsent war. Zugleich knüpfte er enge Kontakte zu Werbekunden, die
dem Sen-der zum großen Teil bis heute treu verbunden sind. 1994
übernahm er die Geschäftsführung und 2006 zusätzlich die
Programmdirektion. Dass diese Kombination funktioniert, ist auch der
Tatsache zu verdanken, dass Georg Dingler immer ein Radioverrückter
war. „Nachdem es mit dem vorherigen Programmchef nicht richtig
funktioniert hat, war mir klar, dass ich nicht wieder einen Externen
anschleppen kann. Ich brauchte ein paar Jahre, um das Team zu
festigen und genau zu überlegen, wer von meinen Leuten welche
Funktion übernehmen kann. Jeder hat seine Stärken, sie müssen nur
richtig eingesetzt werden.“
Bei seinen vielfältigen Aufgaben setzt der Radioenthusiast Dingler
noch immer auf seinen gesunden Menschenverstand, seine
Hörfunkkenntnisse und sein Bauchgefühl. „Wir haben bis heute, mit
Ausnahme von dem wunderbaren Hermann Stümpert in den 90er Jahren,
keine Berater von außerhalb im Haus gehabt. Die wird es auch in
Zukunft nicht geben. Meine Skepsis dagegen ist in den letzten Jahren
sogar noch gewachsen. Mir leuchtet nicht ein, warum man vielfach
lieber einen schwachen Chef hinsetzt und dafür viel Geld für Berater
ausgibt, die von Kiel bis Salzburg überall die gleichen Konzepte
verkaufen.“
Leider scheint diese Tendenz zunehmend zur Regel zu werden. „Viele
Gesellschafter installieren an den entscheidenden Stellen lieber
Buchhalter und nicht Radioleute. Das macht einen Radioverrückten wie
mich natürlich noch verrückter, weil das eindeutig die falsche
Richtung ist“, stellt Georg Dingler fest. Er sieht auch noch ein
weiteres Problem, das zu einem generellen Bedeutungsverlust des
Radios führen könnte, wenn nicht bald gegengesteuert wird. „Wir sind
nicht mehr attraktiv genug für den Nachwuchs und schrecken Talente
ab, die anders sind.“ Ein genialer Radiomacher wie Mike Thiel, der
bei Gong 96,3 mittlerweile seit 14 Jahren eine Morningshow macht,
die mit allen Radiogrundregeln konsequent bricht und dennoch - oder
gerade deswegen - Stadtgespräch in München ist, hätte bei anderen
Sendern wohl nie eine Chance bekommen.
Skeptisch sieht Dingler auch die Interessensvertretungen des
privaten Rundfunks. „In den Verbandsstrukturen wird meist nur aus
der politischen Ecke gedacht, das Radio bleibt da oftmals auf der
Strecke.“ Umso mehr freut sich der Gong 96,3-Chef über die tollen
Hörerzahlen im Jubiläumsjahr, die seiner Mannschaft, aber auch ihm,
noch mal einen deutlichen Motivationsschub für die weitere Arbeit
verpasst haben. „Unser Erfolg beruht ganz wesentlich darauf, dass
alle hier im Laden mit Ehrgeiz, Fleiß und Spaß bei der Sache sind.
Gleichzeitig ruhen wir uns nie auf dem Erreichten aus. Während
andere noch überlegen, wie es weiter geht, schalten wir schon wieder
einen Gang höher und denken uns neue Dinge aus.“
Gerade erst gab es eine dreitägige Klausur, wo die Verantwortlichen
der Bereiche Programm, Event, Musik, Online und Verkauf abseits des
Alltags über neue Ideen und die künftige Planung diskutierten. „Wir
tauschen uns aus und versuchen uns gegenseitig von unseren Ansätzen
zu überzeugen. Das Bessere soll dabei das Gute ersetzen. Wichtig
ist, dass zum Schluss alle Entscheidungen gemeinsam verabschiedet
und getragen werden“, so Georg Dingler. Die kommenden Werbekampagnen
bauen konsequent auf den programmlichen Aktionen und Veränderungen
auf. Gong 96,3 bleibt nie stehen, bleibt aber seiner
Grundphilosophie des unterhaltenden Tagesbegleiters nun schon seit
25 Jahren treu. „Man muss sehr viel Mut haben, um auch immer mal
Neues auszuprobieren, ohne gleich hundertprozentig zu wissen, ob und
wie es angenommen wird. Wichtig ist vor allem, die Augen und Ohren
aufzusperren und zu schauen, wie die Menschen reagieren. Radio ist
viel Bauch- und Kopfgefühl“, sagt Georg Dingler.
Die Musik ist nach wie vor ein sehr wichtiger Programmbestandteil
bei Gong 96,3 und dennoch sind die Researchergebnisse für ihn nicht
alles. „Den Zahlen sollte man mit einer gewissen Distanz begegnen,
sie aber als Trend durchaus beachten. Es ist immer sinnvoll, die
Spitzen wegzunehmen.“ Im Augenblick ist Gong 96,3 etwas rockiger
geworden und nimmt dabei den Hauptgegner Bayern 3 auch musikalisch
wieder fest in den Blick. „Wir haben uns von den total
mainstreamigen Popsongs befreit, die auf zu vielen Wellen
gleichzeitig zu hören sind. ABBA soll woanders laufen, wir haben
dafür wieder verstärkt Rocksongs im Programm“, erzählt Dingler, der
oft mit einer Fülle von Ideen zu seinem Musikchef kommt. Dort
diskutieren die beiden dann, wie sich eine Änderung der Musikfarbe
und der Titelrotation auf das Hörverhalten auswirken würde.
Viele Anregungen holt sich Georg Dingler nach wie vor aus dem
Mutterland des Radios. Einmal im Jahr fährt er in die USA, bleibt
einige Zeit in Los Angeles oder New York und sucht dort den
Austausch mit Kollegen. „In Amerika findet man noch die richtigen
Radioenthusiasten, viele sind nicht so kleinkariert wie hier und
auch bereit, mal über den Tellerrand zu gucken. In New York sitze
ich auch gern im Central Park und bin nur am Schreiben. Auch wenn
ich nachts mit Jetlag aufwache, sprudelt es nur so aus mir heraus.
Ich muss das alles zu Papier bringen, ehe mich der Alltag wieder
einholt und das Gehirn dann für Kreativität blockiert ist.“ Stets
überlegt der Gong-Chef, was er von den amerikanischen Ideen auf den
Münchner Markt projizieren kann.
Georg Dingler ist dabei auch bereit, aus dem gängigen Formatrahmen
auszubrechen. Als er etwa darüber nachdachte, was man zum 25.
Geburtstag außer dem schon traditionellen Hörerfest noch
veranstalten könnte, kam ihm bald eine außergewöhnliche Idee. Er bot
bekannten Münchnern an, eine komplette Sendung bei Gong 96,3 zu
moderieren. Dabei konnten sie ihre programmlichen Vorstellungen und
musikalischen Vorlieben ohne Einschränkungen verwirklichen. So waren
dann bei „Tatort“-Kommissar Miroslav Nemec ein paar jugoslawische
Hits zu hören, während Comedian Willy Astor unter anderem Chopin
einsetzte. Bei Udo Jürgens, dessen Sohn DJ John Munich eng mit dem
Sender verbunden ist, standen Songs von Frankie Boy und Dean Martin
auf der Playlist. Weitere Promis und Münchner Originale hinter dem
Mikro waren Michael „Bully“ Herbig und Rick Kavanian, Michael
Mittermeier, Kai Pflaume und Günther Sigl von der Spider Murphy
Gang. Auch Oberbürgermeister Christian Ude - ein treuer Hörer von
Gong 96,3 - war mit von der Partie wie auch Kultregisseurin Doris
Dörrie, Waldemar Hartmann, Klaus Eberhartinger von der Ersten
Allgemeinen Verunsicherung, DJ Bobo oder die Jungs von Fettes Brot.
„Die Sendungen waren alle sehr gelungen, aber natürlich der totale
Formatbruch. Das hat bei unseren Stammhörern erstmal für
Irritationen gesorgt, aber auch so etwas muss man mal in Kauf nehmen
um zu zeigen, was man mit Radio alles machen kann“, freut sich Georg
Dingler über die gelungene Reihe mit 15 sehr persönlichen Sendungen.
Im Ergebnis ist der Weiteste Hörerkreis sogar steil nach oben
geschossen und Gong 96,3 hatte bei der Media-Analyse eine sehr
starke Frühlingswelle. Das außergewöhnliche Programm war somit alles
andere als ein Ausschaltimpuls. Die Resonanz der Hörer war ebenfalls
überwältigend. „Es gab viel Feedback und die Leute waren happy. ‚Ist
das geil, unser Radio lebt’ war der einhellige Tenor“, freut sich
Dingler. Ebenso stolz ist er auf die vielen Stammhörer von Radio
Gong, die oftmals von Anfang an dabei sind und sich noch an die
ersten Moderatoren erinnern können, die vor 25 Jahren auf Sendung
waren. „Manchmal bin ich leicht irritiert, wenn dann deren Kinder
kommen und sagen, dass sie auch bei Gong zu Hause sind. Den
Konflikt, den ich noch in der Jugend mit meinem Vater bei der Frage
eines guten Radioprogramms hatte, den gibt es heute offensichtlich
nicht mehr. Wir sind ein Sender, bei dem sich mehrere Generationen
wiederfinden“, sagt Georg Dingler zufrieden.
Er erinnert sich noch gut daran, wie Gong 96,3 in den vergangenen
anderthalb Jahrzehnten immer wieder seiner Zeit voraus war. So
stellte der Sender zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990, als
Deutschland im Jahr der Wiedervereinigung den Titel holte, Boxen auf
der Leopoldstraße auf und feierte eine große Party. Was da-nach noch
großen Ärger wegen fehlender Genehmigungen gab, ist heute in Gestalt
der Fanmeilen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. „Wir haben auch
als erster Sender begonnen, die Blitzer zu melden. Das gab
seinerzeit einen richtigen Krach mit dem Verkehrsministerium und
schwere Vorwürfe. Heute ist das Standard und selbst die
öffentlich-rechtlichen Sender haben nachgezogen“, stellt Dingler
fest. Es wird deutlich, dass Gong 96,3 in 25 Jahren Spuren
hinterlassen hat. „Wir haben dazu beigetragen, die Stadt zu
verändern. Das macht uns auch ein bisschen stolz.“
Dabei war das Umfeld zum Sendestart alles andere als problemlos. In
einer Sondersendung mit Erinnerungen an den Sendestart, die von
Georg Dingler moderiert wurde und in der auch Helmut Markwort und
seine Ehefrau Patricia Riekel zu Gast waren, erinnerte BLM-Präsident
Wolf-Dieter Ring an die großen Widerstände gegen die Einführung des
privaten Hörfunks, die zunächst überwunden werden mussten. „Einige
politische Parteien haben sich damals mit aller Macht dagegen
gewehrt Lizenzen für den Privatfunk zu erteilen. Die BLM, mit Prof.
Dr Ring an der Spitze, musste hart kämpfen, um die Lizenz zu
erhalten“, blickt Dingler zurück. Gleichwohl wollte er damals unter
keinen Umständen zum Bayerischen Rundfunk zurück. Über seine Zeit
dort hat Georg Dingler heute noch so manche Anekdote parat. „Am
ersten Arbeitstag hatte ich gleich einen Betriebsausflug - das ging
noch“, lacht er, „aber als ich am zweiten Tag eine Kollegin um kurz
vor 16.30 Uhr ihren Schreibtisch aufräumen sah, kam ich doch ins
Grübeln. ‚Müssen Sie zum Doktor?’ fragte ich ahnungslos. ‚Das
Aufräumen gehört mit zur Arbeitszeit’ antwortete sie mir dann. Da
bin ich froh, dass die Einstellung zum Job bei Gong doch eine ganz
andere ist.“
Überraschungsgast bei besagter Erinnerungssendung war übrigens kein
geringerer als Frank Elstner, der bei Wind und Wetter im dicksten
Schneegestöber aus Baden-Baden nach München kam, um zwei Stunden der
Sendung beizuwohnen. Damit schloss sich dann auch wieder der Kreis.
Nicht nur, dass Gong 96,3 ähnlich wie Radio Luxemburg der Zeit immer
ein Stück voraus war. Frank Elstner selbst stand auch mit Rat und
Tat beim Sendestart zur Seite. Und während die fröhlichen Wellen aus
Luxemburg längst Geschichte sind, ist das Münchner Programm vitaler
denn je. Die „Gong-Familie“ ist trotz des Erfolgs bodenständig
geblieben. „Bei uns geht es wie in einer ganz normalen Familie: Man
streitet sich mal und scheppert aneinander, aber rauft sich dann
auch immer wieder zusammen. Letztendlich ist die Professionalität
das entscheidende Kriterium für unsere Arbeit“, ist sich Georg
Dingler sicher. Er bricht als Radioenthusiast auch mit der einen
oder anderen Regel, wenn er dies für erforderlich hält. So verbannte
er vor fünf Jahren den Musikteppich, der einige Jahre unter den
Nachrichten lag. „Das hat für mich etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun
- es darf nichts von den Meldungen ablenken. Wortbeiträge mit einem
Klangteppich drunter passen einfach nicht zusammen.“
Außerdem reduzierte Dingler die Anzahl der ausufernden Stoppsets,
Trailer und Promos deutlich, was von den Hörern goutiert wird. Gong
96,3 steht für ein Programm mit klaren Grundsätzen, das dennoch auch
für Werbekunden sehr attraktiv ist. Im Jahr 2008 fuhr der Sender das
beste Ergebnis in seiner Geschichte ein, auch im „Krisenjahr“ 2009
blieb der Umsatz nur knapp darunter. In diesem Jahr liegt der
Sender bis jetzt über dem Vorjahresniveau. „Wir sind für viele
Werbekunden über die Jahre zu einem seriösen Partner geworden. Das
macht sich gerade jetzt bemerkbar. Während früher bei drei oder vier
Sendern gleichzeitig gebucht wurde, sind es jetzt ein oder zwei. Da
ist es wichtig, dass Gong immer mit dabei ist“, so Georg Dingler.
Der Erfolg zeigt sich auch darin, dass die beiden bis zu sechs
Minuten langen Werbeblöcke pro Stunde sehr oft ausgebucht sind.
Einziger Wermutstropfen dabei ist die dann nicht mehr so große
Flexibilität bei Neubuchungen. Aber lieber so als andersrum.
Freilich ist auch bei Gong der Rückgang der Markenartikelwerbung zu
spüren, er kann aber anderweitig kompensiert werden. Eine gute
Kooperation mit Unternehmen gibt es auch bei den zahlreichen
Veranstaltungen, mit denen Gong 96,3 über das Jahr in München
präsent ist. Dazu gehören nicht nur die schon legendären Gong-Feste
mit über 200.000 Besuchern im Olympiapark, die bei freiem Eintritt
stattfinden. Zahlreiche Präsentationen runden das Angebot für die
Hörer ab. Von rund 250 Veranstaltungen im Jahr sind etwa zehn
Prozent sendereigene Events.
Originelle Aktionen sind in ein Markenzeichen von Gong 96,3 - etwa
wenn Mike Thiel eine Woche aus Dubai oder Las Vegas seine
Morningshow sendet und mit den mitreisenden 25 Hörern in den Pool
springt. Die Messlatte für die nächsten 25 Jahre liegt also hoch.
„Wir müssen ständig schauen, dass der Erfolg weitergeht. Wichtig
ist, permanent an der Marke Gong zu arbeiten, damit wir sexy
bleiben“, sagt Georg Dingler.
Stefan Förster
Fotos: © Radio Gong 96,3
www.radiogong.de
Aus RADIOJournal 8/2010