das attat hospital in äthiopien


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Brief von Sr. Walburga aus Addis Ababa

Ausnahmsweise feiern wir dieses Jahr die Fastenzeit gemeinsam mit Euch, das kommt nur alle paar Jahre vor. Dafür gab es kaum eine Weihnachtszeit für uns, da wir erst am 7. Januar Weihnachten feiern und hier die Fastenzeit zehn Tage Vorspann hat, weil wie eh und je noch extra für den Kaiser - heute für den Prime Minister und seine Regierung - gefastet und gebetet wird. In anderen Jahren kam mir diese Zeit immer so furchtbar lange vor (hier wird das Fast nämlich sehr ernst genommen, und wenn man nicht fastet, dann redet man auf jeden Fall davon und hat immer ein schlechtes Gewissen, da wir nicht so gut mit dem Fasten sind wie die Orthodoxen Christen oder die Katholiken, die dem orientalischen Ritus folgen).

Im Alltag stehlen andere Dinge den Vorrang, wie die Armen und Kranken, deren Zahl nicht abnehmen will, und dann immer wieder neue Notwendigkeiten und Pläne für das Attat Krankenhaus, um den Dienst an den Kranken zu verbessern, zu sehen, dass die Wasserversorgung ausreichender wird, Medizin und tausend andere Dinge aus Addis Ababa zu besorgen mit erschwinglichen Preisen, wenn man sie überhaupt auf dem Markt findet.

Gerade komme ich von unserer Jahresversammlung in Nairobi zurück, wo wir die Gelegenheit wahrnehmen, von dort medizinisches Material zu bekommen und mitzuschleppen (Chirurgisches Nahtmaterial, Katheter, Blutspendebeutel usw. haben natürlich Vorrang vor anderen schönen Sachen, die wir auch gerne mitbringen würden wie Schokolade oder Nahrungsmittel, die hier zu teuer sind).

Ein Grund warum die Zeit so schnell verging, waren nach der 40-Jahr-Feier für Attat und Weihnachten das silberne Ordensjubiläum von Sr. Senait am 16. Januar in Addis und am 17. in Medida, ihrem Heimatort. Alle unsere Schwestern von Attat und Wolisso haben sich dafür frei gemacht, um dabei zu sein und die kleine Gemeinde von 30 katholischen Familien in einer Umgebung von Orthodoxen Christen, von denen auch viele mitgefeiert haben, festlich zu vergrößern. Von Addis waren das fast vier Fahrstunden, obwohl es nicht weiter als 130 Kilometer ist.

Zu Sr. Inges Goldenem Jubiläum am 11. Februar in Attat waren wir dann noch einmal alle zusammen, um mit Inge und rund 160 Mitarbeitenden zu feiern. Die äthiopische Fastenmahlzeit mit Injera und sehr schmackhaften Erbsen- und Linsensoßen, gemischtem Gemüse mit Kartoffeln, hat uns die Fleischtöpfe vergessen lassen, und zur Nachspeise haben wir für 250 Leute "Fastenkuchen" (ohne Eier, Milch und Butter) serviert.

Bald danach mussten Sr. Toni und ich uns auf die jährliche Afrikaversammlung in Nairobi vorbereiten, von der wir gerade noch rechtzeitig zurückkamen, um bei der Erneuerung von Sr. Nigists Gelübte am 13. März in Addis dabeizusein, und Sr. Inges 75. Geburtstag zu feiern.

Zur Zeit sind wir hier in Addis außer den österlichen Feierlichkeiten mitten bei der Vorbereitung der Bischofsweihe unseres Generalvikars Abba Lisane Christos, der aus der Nähe von Attat stammt. Es soll ein schöner Tag werden, denn wir wollen ihm Mut machen für seine neue Aufgabe, die besonders den nordwestlichen Teil der übergrößen Diözese von Addis Abeba betrifft.

Auch in diesem Jahr habe ich wieder das Privileg vier deutsche Kinder auf die Erstkommunion vorzubereiten. Ich mache es gerne, denn ich finde es immer wieder toll welche Einsichten diese Kinder in das Geheimnis des Glaubens haben.

In Addis haben wir zwei neue junge Schwestern, die künftig mitarbeiten werden: Sr. Margareth aus Malawi in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge und Dorfarbeit in Wolisso, und Sr. Pushpa aus Nordindien als Apothekerin in Attat. Beide sind gerade hier in Addis zum Sprachstudium.

Politisch machte uns das neue Gesetz Sorge, das im Januar in Kraft getreten ist. Es bestimmt, dass alle Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs oder CSOs) von denen es weit über 1000 gibt, sich neu registrieren müssen. Das kann nur geschehen, wenn sie ganz bestimmte Richtlinien befolgen und sich nicht in die Angelegenheiten des Staates einmischen. Wichtig ist, dass solche Organisationen nicht mehr als zehn Prozent ihres Umlaufes aus Geldern außerhalb des Landes beziehen, sonst werden sie nicht mehr als einheimische Organisation anerkannt und müssen sich den Gesetzen für internationale Organisationen unterwerfen; dürfen sich zum Beispiel nicht für die Menschenrechte einsetzen. Die Katholische Kirche, ihre soziale und entwicklungsfördernde Arbeit wurde Gott sei Dank neu registriert. Was den pastoralen Bereich betrifft, fällt dieser nicht unter das Gesetz, vorausgesetzt, das die Kirche "rein pastoral" tätig ist, das heißt Beten, Eucharistie feiern, Seelsorge usw.

Bis jetzt sind wir noch nicht in unserer Arbeit auch der Bewusstseinsbildung gestört worden, wie Sr. Senait bei ihrem Einsatz für arme Familien, alleinerziehenden Müttern, Schutz von besonders gefährdeten Kindern (zum Beispiel Straßenkinder und Zurückführung von Straßenbettlern in ihren Heimatort). Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Regierung.

Sr. Belaynesh koordiniert und animiert die Bewusstseinsbildung für Friede und Gerechtigkeit. Sie trägt viel dazu bei, die Wurzeln so manchen Übels anzupacken, wobei es ihr hauptsächlich um die Veränderung des Einzelnen (unser eigenes Einsehen) geht, wo und wie wir an Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeit in unserem eigenen Umfeld beitragen. Sie erzählt oft von den "Peace Clubs" der Jugendlichen, die sie gegründet hat, und ist so begeistert, wie diese solche Gedanken aufnehmen und von ihrer eigenen "Bekehrung" berichten.