Der
Kaffee ist fertig...
»Auch gute Nachrichten sind Nachrichten«
(Leitsatz von Frank Elstner, ehemaliger Programmchef von Radio
Luxemburg)
Foto:
www.oldskoolman.de

Guten Morgen, liebe Sonne!
Eine atemberaubend schöne Landschaft,
hohe schneebedeckte Berge, herrliche Wanderwege, blauer Himmel,
Sonne satt, milde Temperaturen, gutes Essen ... das war so mein
Traum, als ich heute früh wach wurde. Ich mache das Küchenfenster
weit auf, durch den mächtigen Baum auf dem Nachbargrundstück
blinzelt mir die Sonne entgegen, der Nebel löst sich langsam auf,
ein frischer Wind weht mir um die Nase ... mit der Bürste schrubbe
ich meine 0,5 Liter
Tasse, die gleich den dunkelbraunen 'Sprit' aufnimmt,
den mein Motor
jetzt braucht um anzuspringen. Nebenan läuft das Radio. "Der Kaffee
ist fertig, klingt des net unglaublich lieb..."
Wann
habe ich diese alte Soft-Schnulze von Peter Cornelius zum letzten
Mal gehört? Während sein charmanter Akzent leise im Raum verhallt,
sagt eine ungestresste ruhige
Frauenstimme:
"Nun nehmen's mal die Hände aus dem Spülbecken.
Trinken's 'n Kaffee mit uns. Den Altweibersommer, den feiern wir
jetzt hier auf Radio Tirol mit Schlagern und Evergreens..." Ich
verrühre ihr Lächeln, das via Funkwellen zu mir rüberschwabbt, mit
vier Stück Zucker und verfeinere es noch mit Sahne. Schon klimpert Fred Bertelmann auf seiner Gitarre den 'Lachenden Vagabunden' und bringt
mich zum Schmunzeln. 1959 hat
er dafür einen
der ersten Löwen von
Radio Luxemburg bekommen. Im Rhythmus der anregenden Melodie summe
ich mit. Dann beamt mich Peter Maffay mit seiner durchdringend
sentimentalen Love-Message "Duuuuu,
Du bist alles was ich habe auf der
Welt. Duuuuuuu, bist alles was ich willlllllll..."
ein Jahrzehnt
weiter in die 70er. Für einen Moment bin ich gefühlsmäßig wieder in der total
überfüllten, schumrig beleuchteten Altstadt-Disco, wo man nach
dieser ausdrucksstarken Schmuse-Nummer so schön eng umschlungen
auf der Stelle treten konnte, ohne vorher einen Tanzkurs besuchen zu
müssen. Während ich noch in der Erinnerung versunken den Kaffeesatz auf dem Boden
meiner leeren Tasse betrachte, fetzt mich die Saragossaband mit
ihrem 'Rasta Man' in die aktuelle Wirklichkeit zurück. Danach
schmettert Elvis Presley sein 'Wooden Heart' durchs Zimmer. Ich
drehe lauter. Wusste gar nicht mehr, dass dieser volkstümlich
klingende Song einer seiner größten Hits war. Zwei Sätze singt er
dabei sogar auf Deutsch: "Muss i denn, muss i denn, zum Städtele
hinaus, Städtele hinaus und du mein Schatz bleibst hier." Okay.
Gut ist's. Wir haben die Sonne im Herzen, dann geht sie niemals
unter. (ap)
Foto: © Stefan Förster
4-Zeiler von
Fred Endrikat
Vorgetragen von Dieter
Hildebrandt
»Es ist so schön im Frühling wohl zu riechen,
obwohl ich sonst kein Kostverächter bin.
Ich wollte meinem Herrn Direktor in den Hintern kriechen,
doch leider saßen schon ein Dutzend Vorgesetzte drin.«
(hr1 Talk, 9.2.2012)